Full text: Francis Bacon und seine Schule (10. Band)

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David Hume. 
481 
einem Worte die Erkenntniß der menschlichen Natur zur eigentlichen 
Aufgabe der Philosophie zu machen. Mit völliger Klarheit über 
dieses Thema hatten bereits Locke und Berkeley ihre Aufgaben ge— 
faßt. In diese Richtung sah sich Hume gestellt und erkannte im Hin— 
blick auf seine Vorgänger sehr wohl, wie weit sie ihm vorgearbeitet 
hatten; er nahm die Erforschung der menschlichen Natur nach ex⸗ 
perimenteller Methode, wie er es gleich in der Bezeichnung seines 
ersten und wichtigsten Werkes aussprach, zur Hauptaufgabe seines 
Lebens; er wollte unsere geistige Handlungsweise im Erkennen und 
Wollen aus ihren rein natürlichen Triebfedern erklären, nicht unser 
Thun ändern, sondern es durchschauen und darüber Rechenschaft geben, 
so unverblendet und nüchtern als möglich. Dazu trieb ihn, wie er 
selbst bekennt, sowohl das persönlich tiefe Bedürfniß, sich über das 
eigene Leben und Verhalten aufzuklären, als der Ehrgeiz, die Welt 
zu belehren. Wie Bacon in Rücksicht auf die Erkenntniß der äußern 
Natur den Flug des Denkens widerrathen und der Philosophie statt 
der Fittiche Blei und Gewicht angelegt hatte, so wollte Hume die Er— 
kenntniß der innern Natur betrieben sehen. Die Philosophen, meinte 
er, sollen es nicht machen wie die Engel, die mit ihren Flügeln ihre 
Augen bedecken. Dem Spiritus der neuern speculativen Denker, wie 
Descartes, Malebranche und Leibniz, wollte Hume etwas vom eng⸗ 
lischen Phlegma beimischen, und davon hatte er ein gutes Theil mehr 
als Bacon in seinem eigenen Naturell. 
Wir haben schon gezeigt, wohin der Weg der Erfahrungsphilo— 
sophie gerichtet ist. Unter dem Gesichtspunkt einer rein sensualist— 
ischen Erkenntnißtheorie, wie sie Locke gegeben, müssen die Dinge an 
sich (Substanzen) für unerkennbar gelten, ebenso die Eigenschaften, 
welche Dingen an sich zukommen, ebenso jede Art eines in der Natur 
der Objecte begründeten Zusammenhangs. Auch wissen wir, wie Locke 
in allen diesen Punkten die Vedenken, welche sein Standpunkt fordert, 
zwar empfunden, aber denselben keineswegs volle Rechnung getragen 
hatte; er hatte die Substanz der Dinge für unerkennbar, aber das 
Dasein Gottes für demonstrabel, das Wesen der Körper für unbegreif⸗— 
lich, aber deren Causalität und Grundeigenschaften für unmittelbar 
einleuchtend gehalten. Der Widerstreit, in welchen seine Lehre mit 
sich selbst gerathen war, lag offen vor Augen. Berkeley erkannte die 
Mängel, befreite den Sensualismus von diesen lockeschen Halbheiten 
und kam zu der Folgerung, daß die Dinge an sich wie deren Eigen— 
Fischer, Gesch. d. Philos. X. 
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