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Geschichte der Philosophie
der Geist muß sich desselben bewußt werden, wenn er sich über—
haupt seiner bewußt werden will. Denn dieses innerste Motiv
ist er fselbs Und diese Aufgabe zu lösen, gibt es kein anderes
Mittel als die Philosophie.
Diese Aufgabe wird um so schwieriger, je reicher und viel—
gestaltiger die Bildungswelt ist, welche die Philosophie aus ihrem
Mittelpunkte heraus erleuchten soll. Der geistigen Richtungen und
Interessen, die sich auf dem lebensvollen Schauplatze der Welt
drängen, sind viele, verschiedenartige, entgegengesetzte, die einander
bekämpfen. So verschiedenartig sind die in dem menschlichen Geistes—
leben wirksamen Motive. So verschiedenartig müssen demnach auch
die philosophischen Richtungen sein, die in einem solchen Zeitalter
zur Geltung kommen, und es ergibt sich von selbst, daß die Wider—
sprüche der Zeit in widerstreitenden Systemen hervortreten, deren
jedes eine Seite des herrschenden Menschengeistes wissenschaftlich
erscheinen läßt, und die sich gegenseitig ergänzen, um die philo⸗
sophische Aufgabe der Zeit zu lösen.
Es gibt herrschende Zeitrichtungen, die sich entweder allein
gültig oder mit einem unverkennbaren Übergewichte hervortun und
die geschichtlich wirksamen Kräfte in ihren Dienst nehmen, gestützt
entweder auf die große Aufgabe der Zeit, auf die höchsten Inter—
essen des menschlichen Geistes, die alle übrigen in den Hintergrund
drängen und verdunkeln, oder auf die Interessen der Masse, die
mit der Geltung ihrer Lebenszwecke in den Vordergrund rückt und
zeitweilig alle andern Bildungsinteressen überwuchert. So entstehen
auch in der Philosophie herrschende Systeme einer doppelten Art: die
tiefsinnigen, die in das Innerste des menschlichen Geistes ein—
dringen, und die populären, die nur soviel begreifen, als die
meisten begehren.
Indessen, wie auch der geschichtliche Geist beschaffen sein mag,
der sich in der Philosophie aufklärt, diese Aufklärung ist immer mehr
als ein bloßes Abbild. Um zunächst das große Verhältnis im
verkleinerten Maßstab zu beobachten: die Philosophie verhält sich
zu dem geschichtlichen Menschengeist, wie die Selbsterkenntnis zu
unserem Leben. Was liegt in dem Akte der Selbsterkenntnis?
Wir ziehen uns von der Außenwelt, die uns einnahm, zurück und
beschäftigen uns mit uns selbst; es ist das eigene Leben, das wir
uns gegenständlich machen, und indem wir ihm betrachtend gegen—