Full text: Römische Mythologie (1. Band)

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ERSTER ABSCHNITT. 
:» Hirten und bósen Ràubern erscheint, weit weniger als Helden natio- 
naler Kriege und Sehlachten, mit denen sich die italische Sage nie- 
mals eingehender bescháftigt zu haben scheint. 
Es handelt sich hier von den schwierigen Begriffen der Se- 
monen und der Indigetes, die schon den Alten mit der Zeit 
sehr unklar geworden waren, aber beide mit einiger Sicherheit als 
nationale Laren oder Genien definirt werden kónnen. Als 
solche d. h. als Schutzgótter und ideale Vorstànde einer ganzen 
Landschaft oder Nation hatten sie von derselben sicher auch ge- 
wisse Grundzüge einer bestimmteren Characteristik durch Eigen- 
schaften und órtliche Verehrung angenommen und dieses mag die 
Ursache sein, weshalb man sie von der allgemeinen Klasse der 
Genien und Laren ausschied und besonders benannte. Offenbar 
sind sie es welche mit den griechischen Heroen des àlteren Glau- 
bens noch am meisten Verwandtschaft haben. 
Die Semones werden als den Laren gleichartige Wesen schon 
durch das Lied der Arvalbrüder characterisirt, dessen erste Hilfte 
mit dem Verse beginnt: E nos Lases iuvate, wáhrend die corre- 
spondirende zweite so anfángt: Semunis alternei advocapit conctos 
d. h. Semones alterni advocabite cunctos?). Den Plural Semones 
kennt auch Martian. Cap. II, 156, obwohl er bei seiner Erklàrung 
des Wortes irrthümlich an Semis denkt und deshalb die Semonen 
für Halbgótter (Semidei, 40950) d. h. im Sinne der Griechen für 
Heroen hàált?) Endlich kennen wir namentlich den sabinischen 
1) So die gewühnliche Erklárung, welche für unrichtig zu halten mich die 
Bedenken von Bergk Ztschr. f. A. W. 1856 n. 18 nicht bestimmen künnen. 
Doch vgl. Jordan Rrit. Beitr. 210.] 
?) [Sed superior portio eos sic ut conspicis claudit quos qut9éove dicunt 
quosque Latine Semones aut semideos convenit memorare. Nichts anderes als 
die Notiz, die Semonen seien Halbgütter, hatte, wie schon Hartung und Lersch 
bemerkt haben, der Fülscher Fulgentius vor Áugen, dessen Zeuguifs P. im 
Text gelten liefs de absir. serm. S. 561 (vgl. Lersch S. 40): Semones dici 
voluerunt deos, quos nec caelo dignos ascriberent ob meriti paupertatem, sicut 
Priapus Epona Fertumnus, nec terrenos eos deputare vellent pro gratiae vene- 
vatione sicut Farro (Farro fehlt in Lerschens Brüsseler Hsch.) in Mystagogo- 
rum. ('ysagogarum eine Brüss. Hs.) libro ait: Semoneque inferius derelicto deum 
pinnato orationis attollam. eloquio (semonesque i derelictos die eine Brüss. Hs.; 
pinnato für depennato Preller)  Fingirt ist das Citat und rein willkürlich die 
Anführung der drei Gótter. Verunglückt ist Hartungs Conjektur (Rel. 1, 42): 
in universos semunis (homines die Hs.) seien die Salierlieder verfasst. Vgl. 
Jordan Krit. Beitr. S. 204.] Einige unterschieden zwischen Halbgóttern und
	        
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