198 Kapitel VII Die sphärisch-elliptischc Geometrie.
Das einfache Ergebnis dieser Betrachtung ist:
Die Geometrie auf der Kugel stellt, ohne irgend
welcher Änderungen der Maßbestimmung zu be
dürfen, diejenige Geometrie dar, wo die Winkel
summe im Dreieck größer als zwei Rechte ist.
Hiermit ist also auch das gesamte System der trigo
nometrischen Formeln gegeben, die wohlbekannte sphärische
Trigonometrie; ferner die Inhaltsbestimmung (der Inhalt des
Dreiecks ist seinem sphärischen Exzesse gleich) usw.
Bemerkung: Än all diesen einfachen Betrachtungen
ist nur eines merkwürdig, nämlich daß sie erst angestellt
werden, nachdem man die so sehr viel schwierigere hyper
bolische Geometrie entwickelt hatte.*) —
Die Sphärik ist übrigens bedeutend einfacher als die
hyperbolische Geometrie. Wir haben nicht drei verschie
dene Fälle der gegenseitigen Lage zweier nicht zusammen
fallenden Geraden, sondern nur einen einzigen; wir haben
nicht drei Arten von Zyklen, sondern wieder nur eine
einzige; die kleinen Kreise auf der Kugel. Ebenso haben
wir, statt der großen Mannigfaltigkeit von Kegelschnitten in
der hyperbolischen Geometrie, nur eine Art.
2. Die Flächen konstanten positiven Krüm
mungsmaßes. * 2 )
Auf die Kugel vom Radius r abwickelbar sind die
Flächen mit dem Krümmungsmaß 1: r 2 . Diese Flächen
sind also ebenfalls Träger der sphärischen Geometrie, jedoch
können auftretende Singularitäten die Beweglichkeit der
Fläche in sich einschränken.
Von den Rotationsflächen z. B., die durch die Glei
chungen
r = lcco$u, — & 2 sin 2 udu
(x = r cosqp, y = rshup)
gegeben sind, ist nur die Kugel (Ji = 1) vollkommen frei in
x ) Die erste Darstellung gibt im Auschluß an Riemann
(Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen.
Ges. Werke, II. Aull. Leipzig 1892, S. 272—286) Helmholtz in
demselben Vortrag, dem das auf S. 10 angeführte Zitat entnom
men ist.
2 ) S. S. XLIV, S. 139.