Full text: Anwendung des Mikroskopes auf die Histologie der Gewächse (Zweiter Theil)

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Optisches Verhalten von Stärke und Inulin. 
III. Optisches Verhalten der Inhaltskörper. 
1. Protoplasmakörpe r. 
Sämmtliche nur aus Protoplasma aufgebaute nicht krystallisirte In 
haltskörper (ohne Stärkeeinschluss) modificiren das polarisirte Licht in 
keiner Weise und geben sich somit als einfach brechende zu erkennen. 
Dagegen lassen die sogenannten Proteinkrystalle oder Krystalloide, so 
weit sie nicht dem regulären Krystallsysteme angehören, eine wenn auch 
verhältnissmässig schwache Wirkung erkennen, die namentlich bei Ein 
schaltung eines Gypsplättchens von Roth erster oder Violett dritter Ord 
nung hervortritt, ohne dass sich indessen über die Stellung der Elastici- 
tätsachsen etwas Näheres ermitteln liesse. 
2. Stärke und Inulin. 
Die Stärkekörner sowie die Inulinkugeln, welche man sich in der auf 
S. 27 beschriebenen Weise darstellen kann, zeigen auf dem dunkeln Grunde 
bei gekreuzten Nicols beide bei neutraler Mitte ein neutrales Kreuz, des 
sen Arme bei den letzteren meist unter 0° und 90° dahingehen (Fig. 186 VI.), 
bei den ersteren aber je nach der Form des Kornes, der centrischen oder 
excentrischen Lage des Kernes und dem dadurch bedingten Schichtenver 
laufe in verschiedenen, indessen immer auf den an die betreffenden Schich 
ten zu legenden Tangenten senkrecht stehenden Richtungen verlaufen kön 
nen (Fig. 186 I. bis V.). Bei eingeschalteten Gypsplättchen erscheinen in 
dem optischen Durchschnitte die Mitte und die Kreuzesarme in der Farbe 
des Gesichtsfeldes, während sich bei Inulin, wie bei Stärke die beiden 
unter -j- 45° liegenden Quadranten in Addition, die unter — 45° liegen 
den in Subtraction befinden. Die Additionsfarben steigen dabei von dem 
Rande an schnell von Violett auf Indigo, Blau, Blaugrün zweiter Ord 
nung, um dann gegen die Mitte hin langsamer durch Blau, Indigo, Violett 
bis zu der Farbe des Gypsgrundes zu sinken, die Subtractionsfarben sin 
ken und steigen in gleicherweise von Dunkelorange auf Orange, Gelb- 
lichweiss, Gelborange, Dunkelorange, Roth. Die Aenderung der Additions 
und Subtractionsfarben tritt besonders deutlich an dicken, kugeligen oder 
ellipsoidischen, die neutrale Mitte an etwas flachen, scheibenähnlichen 
Körnern der Stärke, wie des Inulins hervor. 
Aus dem geschilderten Verhalten folgt, dass bei beiden Inhaltskör 
pern die grösste Elasticitätsachse in dem Radius dahingeht und dass die 
mittlere und kleinste in einer zu diesem senkrechten Schnittebene liegen. 
In Betracht des Verhaltens der Mitte würde entweder anzunehmen sein, 
dass die beiden letzteren nur wenig voneinander verschieden, oder dass
	        
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