324
Optisches Verhalten von Stärke und Inulin.
III. Optisches Verhalten der Inhaltskörper.
1. Protoplasmakörpe r.
Sämmtliche nur aus Protoplasma aufgebaute nicht krystallisirte In
haltskörper (ohne Stärkeeinschluss) modificiren das polarisirte Licht in
keiner Weise und geben sich somit als einfach brechende zu erkennen.
Dagegen lassen die sogenannten Proteinkrystalle oder Krystalloide, so
weit sie nicht dem regulären Krystallsysteme angehören, eine wenn auch
verhältnissmässig schwache Wirkung erkennen, die namentlich bei Ein
schaltung eines Gypsplättchens von Roth erster oder Violett dritter Ord
nung hervortritt, ohne dass sich indessen über die Stellung der Elastici-
tätsachsen etwas Näheres ermitteln liesse.
2. Stärke und Inulin.
Die Stärkekörner sowie die Inulinkugeln, welche man sich in der auf
S. 27 beschriebenen Weise darstellen kann, zeigen auf dem dunkeln Grunde
bei gekreuzten Nicols beide bei neutraler Mitte ein neutrales Kreuz, des
sen Arme bei den letzteren meist unter 0° und 90° dahingehen (Fig. 186 VI.),
bei den ersteren aber je nach der Form des Kornes, der centrischen oder
excentrischen Lage des Kernes und dem dadurch bedingten Schichtenver
laufe in verschiedenen, indessen immer auf den an die betreffenden Schich
ten zu legenden Tangenten senkrecht stehenden Richtungen verlaufen kön
nen (Fig. 186 I. bis V.). Bei eingeschalteten Gypsplättchen erscheinen in
dem optischen Durchschnitte die Mitte und die Kreuzesarme in der Farbe
des Gesichtsfeldes, während sich bei Inulin, wie bei Stärke die beiden
unter -j- 45° liegenden Quadranten in Addition, die unter — 45° liegen
den in Subtraction befinden. Die Additionsfarben steigen dabei von dem
Rande an schnell von Violett auf Indigo, Blau, Blaugrün zweiter Ord
nung, um dann gegen die Mitte hin langsamer durch Blau, Indigo, Violett
bis zu der Farbe des Gypsgrundes zu sinken, die Subtractionsfarben sin
ken und steigen in gleicherweise von Dunkelorange auf Orange, Gelb-
lichweiss, Gelborange, Dunkelorange, Roth. Die Aenderung der Additions
und Subtractionsfarben tritt besonders deutlich an dicken, kugeligen oder
ellipsoidischen, die neutrale Mitte an etwas flachen, scheibenähnlichen
Körnern der Stärke, wie des Inulins hervor.
Aus dem geschilderten Verhalten folgt, dass bei beiden Inhaltskör
pern die grösste Elasticitätsachse in dem Radius dahingeht und dass die
mittlere und kleinste in einer zu diesem senkrechten Schnittebene liegen.
In Betracht des Verhaltens der Mitte würde entweder anzunehmen sein,
dass die beiden letzteren nur wenig voneinander verschieden, oder dass