386
S. Czapski, Das Fernrohr.
lungen, durch exaktesten Ausschluß aller nicht abgebeugter Strahlen, auch der
katodioptrisch das System durchsetzenden, Körperchen sichtbar zu machen, die
weit unter der Grenze der Erkennbarkeit liegen, d. h. von denen geometrisch
ähnliche Bilder nicht mehr erzeugt werden können. Auch für die Sichtbarmachung
besteht eine, allerdings nicht nur durch geometrische Verhältnisse bestimmte
Grenze (H. Siedentopf, a. a. O.).
Die mehr oder weniger vollständig, gewöhnlich durch Verdecken eines Öff
nungsbildes oder eines Bildes der Lichtquelle durchgeführte Dunkelfeldbeleuchtung,
bei verschiedener Anordnung des optischen Beobachtungsapparates auf Körper
angewandt, die durch ihr von der Umgebung abweichendes Brechungsvermögen
sichtbar werden (bei den kleinsten Körperelementen verliert die Unterscheidung
zwischen Ablenkung durch Absorptions- und Ablenkung durch RefraktionsVer
schiedenheit natürlich ihren Sinn, da man auf Elementarwellen diese Begriffe nicht
anwenden kann), ist das Prinzip der von Töpler 1 angegebenen Schlierenmethode.
Diese ist von Töpler 2 , Mach und Salcher 3 und Wood 4 auf die Untersuchung
von Luftwellen, von Abbe zur technischen Untersuchung von Gläsern 5 angewandt,
ebenfalls von Töpler 6 , Exner 7 und Wood 8 für mikroskopische Beobachtungen
und zum Teil zur Messung von Brechungsexponenten ausgebildet worden (Exners
Mikrorefraktometer, vgl. zum letzteren u. a. die Arbeiten von Ch. Christiansen 9
und H. Ambronn 10 ).
Die Methode ist fast identisch mit einem der FoucAUi/rschen Verfahren (Kapitel XII)
zur Untersuchung von solchen Störungen in der Abbildung einer Lichtquelle, die nicht von In
homogenitäten des Mediums, sondern von Fehlern der Flächen des Systems herrühren. — Eine
andere einfache Anordnung zur Demonstration von Schlieren s. bei Dvorak 11 .
XV. Das Fernrohr.
Als Zweck des Fernrohres, auch in seiner einfachsten Gestalt, kann man
nicht wohl, wie beim Mikroskop, den bezeichnen, einem mangelnden Vermögen
des Auges zu Hilfe zu kommen; denn das gesunde, emmetropische Auge sieht
beliebig weit entfernte Gegenstände in voller, durch kein Mittel zu steigernder
Schärfe und Deutlichkeit und das unnormale, ametropische Auge würde zu dem
gleichen Zweck nur der Unterstützung durch eine passende Brille bedürfen.
Der Zweck des Fernrohres ist vielmehr von vornherein der, eine räumliche
Annäherung an die zu beobachtenden Gegenstände in bezug auf die
von diesen ausgehende Lichtwirkung zu ersetzen, diese Gegenstände
„heranzuzaubern“. Die Einzelheiten an den Gegenständen bieten sich dann dem
1 A. Töpler, Beobachtungen nach einer neuen opt. Methode, Bonn 1864; s. a. Pogg.
Ann. 131. 33. 1867. — 2 A. Töpler, 1. c. und Pogg. Ann. 128. 126. 1866; 131. 180.
1867; 134. 194. 1868. — 3 E. Mach u. P. Salcher, Wied. Ann. 32. 277. 1887; 41. 144.
1890; s. a. E. u. L. Mach, ibid. p. 140. — 4 R. W. Wood, Phil. Mag. 48. 218. 1899; Proc.
Roy. Soc. 66. 283. 1900. —• s S. Czapski, Ztschr. f. Instrumentent 5. 117. 1885; s. auch
O. Lummer, Müller-Pouillets Lehrb. d. Phys. 2. 878. Braunschweig 1897. — 6 A. Töpler,
Pogg. Ann. 127. 557. 1866. — 7 S Exner, Rep. d. Phys. 21. 555. 1885; Ztschr. f. Instru
mentent 6. 139. 1886'. — 8 R. W. Wood, Phil. Mag. (5) 50. 347. 1900; Proc. Phys. Soc.
17. 338. 1901. — 8 Chr. Christiansen, Wied. Ann. 23. 298. 1884; 24. 439. 1885. —
1° H. Ambronn, Kgl. Sächs. Ges. d. Wiss.; math.-phys. Kl. 1896. — 11 V. Dvorak, Wied.
Ann. 9. 502. 1880. .