Contents: Die anorganischen Oxo- und Sulfosalze (2. Teil)

    
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
     
   
  
     
   
  
  
  
   
     
64 Nitrate. Chlorate, Bromate, Jodate. 
bei überwiegendem Gehalte an NO,RD aber zerfallen die entstandenen rhom- 
bischen Krystalle bei der Abkühlung in ein Gemenge von ebenfalls rhom- 
bischen und von schwach doppeltbrechenden, wahrscheinlich pseudohexa- 
gonalen Krystallen, und zwar um so schneller, je mehr Rubidiumsalz vorhanden 
ist, bis schließlich nur noch Körnchen rhombischer Substanz neben den beiden 
deutlich hervortretenden Modificationen des reinen Rubidiumnitrates, der 
kubischen und der ps.-hexagonalen, sichtbar sind. Geschmolzene Mischungen 
von Cäsiumnitrat mit Kaliumnitrat verhalten sich nach Wallerant!P) (]. c. 365) 
folgendermaßen: bei überwiegendem Cäsiumsalze erstarrt die Schmelze in der 
kubischen Modification und zeigt Umwandlung in die pseudohexagonale, bei 
Zunahme des Kaliumgehaltes mit abnehmender Temperatur der Umwandlung; 
dann folgt eine Lücke in der Mischungsreihe, indem die Erstarrung eine 
eutektische Mischung liefert; endlich bei überwiegendem Kaliumgehalte 
bilden sich rhomboedrische Krystalle, welche sich beim Abkühlen in die 
rhombische Modification umwandeln. 
Thallonitrat = NO,;7l krystallisiert bei gewöhnlicher Temperatur aus 
Lösungen in rhombischen Krystallen, welche man früher mit denen des 
Salpeters verglichen hat; gegen die Annahme einer Isomorphie zwischen 
beiden führte jedoch mit Recht bereits Stortenbeker?t) den ganz ver- 
schiedenen Habitus und die große Differenz der Axenverhältnisse an, sowie 
die von ihm beobachtete Tatsache, daß die Übersättigung einer Salpeter- 
lösung durch einen Krystall von NO;,77 gewöhnlich nicht aufgehoben wird. 
Eine Umwandlung des Thallonitrates in eine andere Modification hat zuerst 
Van Eyk25) beobachtet und die Temperatur derselben zu ungefähr 142° 
bestimmt. Genauere Versuche hierüber verdanken wir Goßner?®) (l. c. 143), 
welcher fand, daß das geschmolzene Salz zu einem kubischen Krystall- 
aggregate erstarrt, welches sich beim Abkühlen zuerst in eine hexagonale 
(oder pseudohexagonale?) schwach doppeltbrechende Modification umwan- 
delt, aus welcher dann die gewöhnliche rhombische, stark doppeltbrechende 
entsteht; beim Erwärmen liefert diese umgekehrt bei 80° die zweite und 
bei 151° die kubische Modification. Nach Wallerant!?) (l. c. 328) ist die 
zweite Modification positiv doppeltbrechend und entspricht daher der bei 
gewöhnlicher Temperatur stabilen (pseudo-)hexagonalen Form des Cäsium- 
nitrates; die Temperatur ihrer Umwandlung in die kubische Modifikation 
nimmt er auf Grund seiner Schmelzdiagramme von Mischungen zu 125° an. 
Die Versuche von Fock®%) und Stortenbeker?”) haben gelehrt, daß 
Thallonitrat mit salpetersaurem Kalium in wässeriger Lösung nur in sehr 
beschränktem Maße Mischkrystalle bildet, nämlich solche von NO;K mit 
24) Stortenbeker, Zeitschr. f. phys. Chemie 4903, 43, 632. Ausz. Zeitschr. f. Krystall. 
41, 296. 
25) Van Eyk, Zeitschr. f. phys. Chemie 1899, 30, 440. Ausz. Zeitschr. f. Krystall. 
35, 379. 
26) Fock, Zeitschr. f. Krystall. 1897, 28, 363. 
27) Stortenbeker, Recueil d. trav. chim. Pay-Bas 4905, 24, 64. Ausz. Zeitschr. f. 
Krystall. 43, 599. 
 
	        
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