Full text: Briefwechsel zwischen Gauss und Bessel

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№. i47- Gauss an Bessel. [55 
Göttingen den 15. Januar 1825. 
Während der letzten vier Wochen, mein theuerster Freund, 
ist mein Haus der Schauplatz von grosser Unruhe und Sorge 
gewesen. Meine drei jüngsten Kinder wurden eins nach dem 
andern von den hier epidemischen Masern befallen und zuletzt 
auch meine Frau, die seit zwei Jahren ununterbrochen krank und 
im letzten Sommer es in einem solchen Grade gewesen war, 
dass man damals an ihrem Aufkommen zweifelte. Bei den 
Kindern war die Krankheit noch ziemlich leicht, allein bei meiner 
Frau, wie schon gewöhnlich bei Erwachsenen und nun zumal 
bei ihrer grossen Schwäche, sehr heftig und gefährlich. Jetzt 
ist endlich die Gefahr vorüber; die Kinder sind ganz hergestellt 
und meine Frau auf der Besserung. Ich muss es für ein grosses 
Glück ansehen, dass alle von der Krankheit damals ergriffen 
wurden, wo sie noch gutartig war. Jetzt ist die Epidemie viel 
bösartiger geworden und kostet vielen das Leben. 
Diesen Umständen haben Sie es zuzuschreiben, dass Sie 
nicht schon früher einen Brief von mir erhalten haben über die 
Angelegenheit, die den Gegenstand meines letzten Briefes aus 
machte. Sie ist entschieden und hat einen andern Ausgang ge 
habt als ich früher, und noch bei Absendung meines letzten Brie 
fes, vermuthete. Ich habe Ihnen damals im Vertrauen mitge- 
theilt, dass mir von Hannover aus bestimmte Anerbietungen 
gemacht waren, die ich nicht angenommen hatte. Allein bald 
nachher wurde mir vertraulich eröffnet, dass man sich dabei 
nicht beruhigt habe, und dass man durch eine wahrhaft liberale 
Verbesserung meiner Lage mich an Göttingen befestigen wolle, 
obwohl man in Hannover diess allein nicht bündig machen könne 
und daher deshalb nach London berichtet habe. Nach allen 
obwaltenden Umständen konnte ich, selbst wenn die noch statt 
findende Ungewissheit, ob in Berlin nicht neue Hindernisse ent 
standen sein könnten, nicht einmal von mir in Betracht gezogen 
wurde, dieses liberale Verfahren nicht anders als dankbar aner 
kennen und war dadurch also schon gewissermaassen gebunden. 
Mehrere Wochen nachher erhielt ich nun freilich die Berufung 
nach Berlin, allein fast ganz gleichzeitig damit die königliche
	        
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