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Heinrich I, von Würben (1302—1319).
Heinrich I. von Würben (1302—1319).
Seine Erwählung bedeutete den Sieg der deutschen Partei im Kapitel, zog ihm aber die
Feindschaft der Gegner zu, welche besonders die Vormundschaft, die ihm über die unmündigen
Herzöge von Breslau anvertraut worden war, zum Gegenstande schwerer Beschuldigungen machten.
Neuere Forschungen zeigen, wie ungerechtfertigt diese Angriffe gewesen sind; sie beweisen
zugleich, wie sorgsam Bischof Heinrich die Rechte der Kirche zu vertheidigen und die Disciplin
unter dem Clerus zu handhaben suchte, aber auch mit welch ausserordentlichen Schwierigkeiten
er zu kämpfen hatte. Es gelang schliesslich, ihn beim apostolischen Stuhle zu verdächtigen,
und er würde unter Suspension von seinem Amte 1309 nach Avignon citirt und daselbst drei
Jahre zurückgehalten, bis seine Unschuld erwiesen und er restituirt wurde'). Er starb am
19. September 1319 und wurde seinem Vorgünger gegenüber, an der entsprechenden Stelle vor
der nördlichen Reihe der Kanonikalsitze bestattet. Sein Grab bezeichnet jetzt eine einfache
Marmorplatte mit der Inschrift: Henricus Epus. Wratisl. Obiit anno MCCCXIX. Hie iacet. Als
1886 für Fiirstbischof Robert Herzog in der Mitte des unteren Planums das Grab gegraben
wurde, stiess man auf die benachbarten alten Bischofsgrüber und fand die ursprünglichen Monu-
mente der Bischôfe Johann III, Heinrich I. von Würben, Jodoeus von Rosenberg, Nanker
und Heinrich von Lebus. Dieselben sind, mit Ausnahme des ersten, erhoben und in der Crypta
der Kreuzkirche aufbewahrt. Die grosse Marmorplatte Heinrichs I. trug ehedem das Bild des
Bischofs in flacher Bronzearbeit, umschlossen von schlanker gothischer Ornamentik. Leider war
die Figur bei der Wiederauffindung des Denkmals bereits von der für sie eingemeisselten Ver-
tiefung abgehoben und verschwunden; es fehlen auch ornamentale Theile, sowie Buchstaben,
von denen einzelne lose im Sande gefunden wurden. .Die Umschrift ist in schön verzierten
gothischen Majuskeln hergestellt, welche wahre Prachtstücke edler Form und ciselirter Bronze-
arbeit sind. Insbesondere sind die Rundlettern mit Sternchen und einfachen Schnórkeln sehn
ausgestattet, Die den Rand entlang laufende Inschrift lautet:
Cetus angelici eonsortes sint, pie Christe,
Presulis Henrici, quem marmor contegit iste.
Septembri mense prope finem, cesus ab ense
Oceidit heu! morti solvens sua debita sorti.
Anno MCCCXIX ?).
Nach dem Tode des Bisehofs Heinrich wühlte die deutsche Mehrheit des Kapitels den Dom-
herrn Veit von Habedank; ihm stellte die polnische Minderheit den Glogauer Archidiakonus
Luthold entgegen, focht die Wahl an und setzte es durch, dass die Sache zur Entscheidung an
den apostolisehen Stuhl zu Avignon gebracht wurde. Nach langen Verhandlungen wurde 1926
zu Gunsten Veits entschieden, der indess schon acht Tage spüter, am 27. November 1326, in
Avignon starb*). Der Papst transferirte nun den bisherigen Krakauer Bischof Nanker auf den
Stuhl von Breslau.
1 Wattenbach, Das Formelbuch des Arnold von Protzan, Cod. dipl. Siles. V. S. VI.
2) Klose, Von Breslau II. 1. 49. Vgl. auch Wutke, Sehles, Zeitsehr. XXV. 236.
3) Grünhagen, Geschichte Schlesiens I. 162.