Full text: Das Doppelgesicht der Valuten

       
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
     
    
    
  
  
  
      
    
B. Wie bildet sich der Devisenkurs? 9 
allen Staaten der Welt maßlos um sich gegriffen hat. :Daß sie sich 
a nieht auf die Vermehrung der Geldumlaufsmittel besehránkt, 
soll an dieser Stelle unerórtert bleiben. Vielmehr sei hier nur 
| der Blick auf jene Zahlungsmittel eingestellt, mit denen man in 
einem fremden Lande unmittelbar und zu jeder Zeit Waren oder: 
Dienste kaufen oder Schulden begleichen kann. 
Die Gleichgewichtslage zwischen. den Währungen 
der verschiedenen Länder ist rettungsloszerstört. Wäh- 
rend vor dem Kriege die Preisschwankungen des Auslandgeldes 
durch die Goldwährung in Grenzen eingeschlossen waren, die nur 
durch heftige Wirtschaftskrisen (wie die des Jahres 1907 in den 
Vereinigten Staaten) oder durch ein auBerordentliches und plotz- 
liches Anschwellen des Staatsbedarfs an Zahlungsmitteln über die 
Kräfte seiner Volkswirtschaft hinaus (wie im russiseh-japani- 
schen Krieg auf beiden Seiten) zerbrochen wurden, gibt es heut 
eine solche Schranke nicht mehr. Das Gold hat der wilden Sturm- 
flut der Inflation nicht standzuhalten vermocht, die Goldwährung 
der meisten Länder ist vernichtet, statt der Ausfuhr oder Ein- 
fuhr von Münzmetall bei Überschreitung der Goldpunkte flutet 
heute ein Meer von Papier über alle Grenzen — und in diesem: 
Tohuwabohu geht die Weltwirtschaft in Stücke. 
B. Wie bildet sich der Devisenkurs ? 
Devisen sind auslündisches Geld oder Anweisungen darauf. 
Wie jedes Landesgeld, ist ihre Zahlkraft auf den Bereich des 
eigenen Staates beschränkt, so daß bargeldlose Zahlungen nur 
innerhalb einer Währungsgemeinschaft möglich sind. Außerhalb. 
der Landesgrenze verlieren die Devisen den Annahmezwang und 
werden daher zur Ware, die marktmäßig gehandelt wird. 
Bedeutsam ist dafür die Frage, ob sich Staat und Volks 
wirtschaft decken. Unter Volkswirtschaft verstehen 
wir nicht sowohl die Summe der wirtschaftlichen Tätigkeiten 
und Beziehungen der Einzelwirtschaften eines (dieselbe Sprache 
redenden oder durch gemeinsame Kultur zusammengeschlos- 
senen) Volkes als den Inbegriff der wirtschaftlichen Tätig- 
keiten und Beziehungen der Einzelwirtschaften eines Staats 
gebildes. Wir müssen von einer Danziger Volkswirtschaft reden; 
seitdem das Gebiet dieser Stadt 1919 aus dem Deutschen Reiche: 
herausgeschnitten wurde. Eine tschechoslowakische Volkswirt- 
schaft gibt es erst seit der Zeit, da eine besondere Regierung und 
eigene Landeserenzen nebst einheitlieher Waührung die Einzel 
wirtschaften dieses Gebildes gemeinsamen Schicksalen unter 
werfen. 
Der Staat schreibt für alle Zahlungen innerhalb seines Wirt- 
schaftsgebildes seine von ihm geschaffene und ihm eigentümliche: 
  
     
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.