Universum, 109
stern), schreibt MoNck!) es zu, dass in der Milchstrasse die Siriussterne so
ausserordentlich überwiegen?). Ein Fernrohr, welches z. B. bis zur 12. Stern-
grósse in den Raum vordringt, sieht in grossen galaktischen Breiten, wo es die
Grenze des Sternsystems erreicht, unter den Sternen 12. Grósse keinen Sirius-
stern mehr, da die entferntesten derselben um 2 Gróssenklassen heller sind,
also 10. Grósse erscheinen, unter den schwüchsten Sternen in hohen Breiten
werden also die Sonnensterne überwiegen. In der Milchstrasse aber werden
neben den Sonnensternen 19. Grósse auch jene Siriussterne als 12. Grósse er-
scheinen, welche in Wahrbeit in der Entfernung der Sonnensterne 14. Grósse
stehen, also an Zahl bei gleicher Vertheilung die Sonnensterne um das 15-fache
übertreffen. Daher also, dass das Fernrohr die Sonnensterne, die in gleicher Ent-
fernung wie die schwáchsten Siriussterne stehen, überhaupt nicht mehr sieht,
rührt der ungeheure Reichthum der Milchstrasse an Sternen des T. Typus,
daher auch das rein weisse Licht, welches uns der Anblick der Milchstrasse
bietet. MoNck hat in verschiedenen Aufsützen in Astronomy und Astrophysics
und auch in Knowledge, Juni 1893, über die Beziehungen zwischen Sterntypus
und E. B. Untersuchungen mitgetheilt, er neigt stellenweise dazu, bei den Sirius-
sternen wirklich grôssere motus peculiares zu vermuthen, widerlegt dies aber
selbst, indem er die 51 Sterne, von denen VoGEL die Geschwindigkeiten in der
Gesichtslinie bestimmt hat, nach Typen sondert?); für 27 Sterne des ersten Typus
ist die mittlere Radialgeschwindigkeit 10:8, für 20 des zweiten Typus 10-9 km also
völlig gleich. Und trotz des kleinen Materials überzeugen diese Translations-
geschwindigkeiten, welche nicht so wie die seitlichen mittels der unbekannten
Entfernung auf lineares Maass reducirt werden müssen, uns davon, dass das Alter
der Oberfläche eines Sterns, das durch seinen Spectraltypus repräsentirt wird, auf
seine räumliche Bewegung ohne Einfluss ist. Es ist aber hier nicht der Ort, näher
auf die Moncg’schen Arbeiten einzugehen, da er nicht so allgemeine Schlüsse
über Sternvertheilung wie KAPTEYN daraus gezogen hat und diese allein hier
interessirt,
Auch die Vertheilung der Sterne nach Spectralklassen führt STRATONOFF's
Atlas in Tafel 10 und 11 dem Auge vor, nachdem er im Appendix III seiner
Etudes die Abzühlungen der Typen nach seinen Trapezen gegeben, deren Nume-
rirung leider völlig unübersichtlich ist. Die 10. Karte zeigt, dass die Sterne des
ersten Typus sich zwar wie bekannt der Milchstrasse entlang anordnen, dass
aber verschiedene Verdichtungen auftreten, eine in Schwan und Leier, dann
eine zweite stárkste um den Weltpol, also 20? nórdlich der Milchstrasse (siehe
aber unten), die sich dann zur Cassiopea nach Süden zieht, und von da weiter
zum Perseus bis hin zu den Pleiaden; eine letzte Verdichtung am Nordhim mel
liegt dann bei 6% und geht in der Oriongegend über den Aequator herunter.
STRATONOFF's 11. Karte, welche die zweite Spectralklasse berücksichtigt, zeigt
sofort, dass die Milchstrasse hier gar nichts mit diesen Sternen zu thun hat.
Es ist vielmehr in grossen Zügen eine Anordnung vorhanden, die in den Welt:
pol das Maximum dieser Sterne legt, deren Zahl mit. der Deklination abnimmt.
Dies kann natürlich kaum der Wirklichkeit entsprechen, und rührt daher, dass
1 Astronomy and Astrophysics, Vol. XI, 1892, pag. 89.
2) Nur im SoBıesKi’schen Schilde überwiegen die Sonnensterne bedeutend, gerade an der
Stelle, wo der Ring der hellen Sterne eine Verdoppelung zeigt, die vielleicht nicht physisch ist,
sondern nur durch die grosse Nähe dieses Ringes bei der Sonne vorgetüuscht wird.
3) Astronomy and Astrophysics, Vol. XI, 1892, pag. 200.