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JOSEF VON FODOR, Hygiene des Bodens. 219
Niederschlags- und Grundwässer, die Sumpfbildung,
doch anderseits auch die Abwesenheit der auslaugenden
und reinigenden Kräfte, ein Mangel der zeitweisen
Durchfeuchtung des Bodens, z. B. infolge von Regenmangel, oder
Abschluß des Bodens gegen die Niederschlagswässer, z. B. durch Pflasterung.
Die Sumpfbildung infolge von Ansteigen und Stagnation des
Grundwassers hat verschiedene Ursachen und ist bald Folge der gegebenen
Naturverhältnisse, bald auf menschliche Eingriffe zurückzuführen. Am
häufigsten liegt der Grund darin, daß die auf die Oberfläche gelangten
Meteorwässer weder in die Tiefe sinken, weil die Bodenschichten nicht
die nötige Permeabilität haben, noch auch oberflächlich abfließen können,
weil das Gefälle zu gering ist. Die Sumpfbildung wird also auf Thon-,
Mergel- und Lehmboden, welcher gleichzeitig eben oder muldenförmig
ist, am häufigsten eintreten. Bei solchen Bodenverhältnissen kann es
auch an hochgelegener Stellen zur Bildung von Sümpfen und stag-
nierendem hohen Grundwasserstand kommen.
Auch den Flüssen entlang auf flachen Gebieten, in den Delta-
mündungen wird die Sumpfbildung und Grundwasserstauung häufig
beobachtet, weil hier das Grundwasser nicht nur nach dem Fluß hin
keinen Abfluß findet, sondern eventuell, besonders bei Hochwasser,
auch vom Fluß her gespeist wird, von den Ueberflutungen des Ufer-
gebietes gar nicht zu sprechen. Auf diese Weise kommen zustande:
die Sümpfe und stagnierenden hohen Grundwässer auf Inundations-
gebieten, die Sümpfe nach Ueberschwemmungen und die hinter den
Dämmen bei Hochwasser durch hindurchsickerndes Flußwasser und auf-
gestautes Grundwasser gebildeten Sümpfe u. s. w.
Doch häufig sind an der Anstauung des Grundwassers infolge be-
hinderten Abflusses menschliche Eingriffe schuld. So hat man in der
Gegend der Dombes, welche mehr als 100 m über dem Rhonespiegel
liegen, behufs Fischzucht mittelst einiger Dämme (barrages) den Abfluß
des Regenwassers behindert und dadurch trotz der hohen Lage in dem
thonigen Boden zahlreiche Seen und Sümpfe zustande gebracht !.
Durch solche künstlichen Fischteiche hat man auch in anderen
Gegenden eine Sumpfbildung künstlich herbeigeführt. Auch die den
Flüssen entlang errichteten Dämme sind durch Behinderung des Wasser-
abflusses häufige Ursachen von Sumpfbildungen, und zu ähnlichen Folgen
führen aus dem nämlichen Grunde häufig auch Eisenbahndämme, neben
welchen Sümpfe entstehen, die Malaria erzeugen, wie das für die ita-
lienischen Eisenbahnen nachgewiesen wurde (s. oben). Stagnierende
Wässer sammeln sich auch in schlecht angelegten oder verschlammten
Straßengräben an.
Berieselungen und Reisfelder können ebenfallshäufig zu Sumpfbildung
und Ansteigen der Grundwässer führen. Diesbezüglich verdienen be-
sonders die in neuerer Zeit behufs Reinigung der Sieljauche angelegten
Rieselfelder Beachtung. Diejenigen der Stadt Paris (in Gennevilliers)
wurden wiederholt beschuldigt, daß sie ein Steigen des Grundwassers
in der Nachbargemeinde verursacht haben.
Manche Gewerbeanlagen können auch durch Stauung oder
übermäßigen Wasserverbrauch ein Ansteigen des Grundwasserspiegels
bewirken. An anderen Stellen kommt es in den behufs Torfstechens,
Ziegelschlagens oder Hanfweichens ausgehobenen Gruben zur Sumpf-
bildung.
Es wurde auch darauf hingewiesen, daß in Städten, die statt der
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