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geſchrieben, haben ihm den Titel eines Vaters der engliſchen Kritik erworben. Er
gewann ein ſo großes Anſchen, daß ihn die damaligen dramatiſchen Dichter für den
Nichter der Bühne erkannten und fich von ihm die Prologen oder Epilogen ihrer
Stücke ſchreiben ließen. 4681 machte er ſeine merkwürdige Satyre: „Absalon and
Ahitophel”, bekannt. Sie ift gegen die Partei des Herzogs von Monmouth gerich-
tet und verſpottet viele der angeſehenſten Perſonen damaliger Zeit unter erdichte-
ten Namen. Nach Jakobs [l. Thronbeſteigung trat er zur katholiſchen Kirche über,
wofür ihn der König zu ſeinem Hiſtoriographen ernannte. Aus Eifer für ſeine neue
Religion, und zu ſeiner Vertheidigung machte er jetzt f. verrufene Fabel: ‚The kind
and the panther‘, befannt, worin er die rômiſche Kirche, unter dem Bilde einer
milchweißen Hirſchkuh, ihre Gerechtſame gegen die proteſtantiſche, welche als ein
Panther vorgeſtellt wird, vertheidigen láßt. Aber Jakobs [1. Regierung währte
nicht lange, und unſer Dichter verlor ſeine Stelle; worauf er zur Schriftſtellerei,
als einem bloßen Erwerbszweige, ſeine Zuflucht nehmen mußte. Er arbeitete von
nun an zuweilen etwas fabrikmäßig z indeſſen tragen alle ſeine ſpätern Werke das
Gepräge ſeines großen Talents an ſich. 1693 erſchien ſein Perfîus und Juvenal,
4697 ſein Virgil, der zu den meiſterhafteſten Überſeß. gehört, die irgend eine neuere
Nation aufweiſen kann, Sein Iegtes Werk waren ſt. aus Homer, Ovid, Boccaccio u.
GShaucer entlehnten „‚Fables ancient and modern, translated into verses, with
original poems“, Jn dieſer Sammlung ſteht ſeine geprieſene Ode: „Alexander's
ſeast, or the power of music, in honour of St.-Cecilia’s day“, die von Händel
1725 vortrefflich componiet ift und Pope's und Congreve’s ähnliche Gedichte hin-
ter ſich zurü>läßt. Namier hat fie 1770 überfegt; auch hat man eine Nachbildung
derſelben von Koſegarten. Überhaupt ſind \. lyriſchen und ſatyriſchen Gedichte un-
ſtreitig die außgegeichnetften in der engliſchen Literatur dieſer Zeit, obgleich ex mehr
aus dem Kopfe als aus dem Herzen ſang. D. lebte in Därftigkeit und ſtarb 1701.
Ex wurde in der Weſkminſterabtei zwiſchen Chaucer und Cowley beigeſest. Die
neueſte und vollſtändigſte Ausgabe \. Schriften, nebſt ſeinem Leben, ward von Wal-
ter Scott in 18 Bdn. (London 1808) geliefert; neue Aufl.: „Life of John Dry-
den”, von Walter Scott (Paris 1826). ,
Dſ\chaggernath, Jaggernath, Juggernauth, eigentlih Dſchagatnatha,
d. i, der Herr der Welt, der berühmteſte und heiligſte Tempel in Hindoſian, im
Bezirke von Euttad, auf der Küfle von Driffe. Die Pagode liegt dicht an der
Küſte, unweit des Tſchikaſees , in einer öden, unfrudtbaren Sandgegend, und
zeigt fc als eine formlofe Steinmaffe.. Das Gösenbild ift ein geſchnißter Holz-
blo>, mit einem furchtbaren, ſhwarzbemalten Geſichte und weit aufgeſperrtem,
blutrothem Maul. Es iſt prächtig bekleidet, und die angeführte Benennung deſ-
ſelben, Dſchagatnatha, einer der vielen Namen des Welterhalters Wiſhnu. (S.
Indiſche Mythologie.) An Feſitagen wird der Thron des Bildes auf einen
60 Fuß hohen, auf Nädern ſh bewegenden Thurm geſtellt, begleitet von zwei an-
dern Gögenbildern, ſeinem weißen Bruder, Balaram, und ſeiner gelben Schwe-
ſter, Schubudra, die gleichfalls auf beſondern Thürmen ſizen. An dem Haupt-
thurme find 6 lange Schiffstaue befefligt, woran das Volk ihn zieht. Die Prieſter
und ihre Gehälfen ftehen um den Thron, auf dem Thurme, und wenden fic zu-
weilen mit unzüchtigen Geſängen und Gebärden an die Verehrer. Auch die Wände
des Tempels, wie die Seiten des Thurmwagens, ſind mit den unzüchtigſten Sinn-
bildern in großer, dauerhafter Bildhauerarbeit bede>Œt, Während der Thurm fid)
vorwärts bewegt, werfen fih andächtige Schwärmer zu Boden, um fid) von den
Rädern zerguetfehen zu laſſen, und die Menge empfängt ſolche Handlungen mit
lautem Beifallruf, als gottgefällige Opfer. Jm Tempel wird eine Anzahl von fei-
len Weibern für die Pilger unterhalten, ſowie mehre geweihte Stiere, welche ge-
wöhnlich von den Pilgern mit Kräutern gefüttert werden. Ein Knochen des Kriſchna
grce Fre