Zweiter Teil.
Mechanik eines Systems materieller Punkte.
§ 7%. In der Natur haben wir es nicht mit materiellen
Punkten, sondern mit materiellen Körpern von endlicher Ausdeh-
nung zu tun. Wir können aber jeden Körper als zusammengesetzt
ansehen aus sehr vielen materiellen Punkten, und die Verschieden-
heiten in den mechanischen Eigenschaften der Körper darauf zurück-
führen, daß ihre einzelnen Punkte mit verschiedenen Kräften auf-
einander wirken. Dann ist auch die Frage nach den Bewegungs-
gesetzen materieller Körper zurückgeführt auf die Mechanik mate-
rieller Punktsysteme.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet gibt es in der Natur
überhaupt keine anderen mechanischen Kräfte als solche zwischen
materiellen Punkten. Jeder materielle Punkt bewegt sich gemäß
der Resultierenden der Kräfte, die von allen übrigen Punkten des
Universums auf ihn ausgeübt werden. Wenn einmal von einer
Kraft die Rede ist, die ein ganzer Körper ausübt oder erleidet,
so ist das nicht wörtlich, sondern nur als eine abkürzende Aus-
drucksweise zu verstehen. In Wirklichkeit sind nur die einzelnen
Punkte des Körpers einerseits Ursprung, andererseits Angritfsstelle
von Kräften. Denn eine jede Kraft wirkt von einem bestimmten
materiellen Punkt 4 auf einen zweiten bestimmten materiellen Punkt B.
Daher lassen sich alle Kräfte der Natur paarweise einander
zuordnen, insofern jeder einzelnen Kraft diejenige entspricht,
welche von dem zweiten Punkte B auf den ersten Punkt 4 aus-
geübt wird, und je zwei solche sich entsprechenden Kräfte sind
nach dem Prinzip der Gleichheit von Aktion und Reaktion ($ 29)
einander an Größe gleich, an Richtung entgegengesetzt.
Erstes Kapitel. Statik eines starren Körpers.
$ 7. Wir wollen uns zunächst speziell mit der Mechanik
ruhender Punktsysteme, d. h. mit der Statik, beschéftigen, und