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12 Persönliche Erinnerungen aus alten Zeiten
unwesentlich erklärt wurde, ferner auch, daß die Existenz eines
absoluten Nullpunktes der Temperatur bestritten wurde unter Be-
rufung darauf, daß man wie bei Höhenniveaus so auch bei der Tem-
peratur nur Differenzen messen könne.
Es gehört mit zu den schmerzlichsten Erfahrungen der ersten Jahr-
zehnte meines wissenschaftlichen Lebens, daß es mir nur selten, ja,
ich möchte sagen, niemals gelungen ist, eine neue Behauptung, für
deren Richtigkeit ich einen vollkommen zwingenden, aber nur theo-
retischen Beweis erbringen konnte, zur allgemeinen Anerkennung zu
bringen. So ging es mir auch diesmal. Gegen die Autorität von Män-
nern wie W. Ostwald, Ch. Helm, E. Mach war eben nicht auf-
zukommen. Daß meine Behauptung des grundsätzlichen Unterschiedes
zwischen der Wärmeleitung und dem Gewichtsherabfall schließlich
sich als zutreffend erweisen würde, wußte ich ja mit vollkommener
Sicherheit. Aber das Ärgerliche war, daß ich nicht die Genugtuung
erlebte, mich durchgesetzt zu haben, sondern daß die allgemeine An-
erkennung meiner Behauptung von ganz anderer Seite herbeigeführt
wurde, die mit den Überlegungen, durch welche ich meine Behaup-
tung begründet hatte, in gar keinem Zusammenhang stand, nämlich
von der atomistischen Theorie, wie sie durch Ludwig Boltzmann
vertreten wurde.
Boltzmann war es gelungen, für ein gegebenes Gas in einem
gegebenen Zustand eine Größe H zu bilden, welche die Eigenschaft
besitzt, daß ihr Betrag mit der Zeit beständig abnimmt. Man braucht
also nur den negativen Wert dieser Größe mit der Entropie zu identi-
fizieren, um das Prinzip der Vermehrung der Entropie zu gewinnen.
Damit war dann auch die Irreversibilität als charakteristisch für die
Vorgänge in einem Gase nachgewiesen.
So kam die tatsächliche Entwicklung der Dinge darauf hinaus, daß
meine Behauptung des grundsätzlichen Unterschiedes zwischen der
Wärmeleitung und einem mechanischen Vorgang zwar den Sieg über
die frühere, von hervorragenden Autoritäten vertretene Ansicht da-
vontrug, daß aber meine Beteiligung bei dem Kampf ganz überflüssig
war; denn auch ohne sie wäre der Umschwung genau so eingetreten.
Es versteht sich, daß dieser Kampf, in dem sich Boltzmann und
Ostwald gegenüberstanden, ziemlich lebhaft geführt wurde und daß
er auch zu manchen drastischen Effekten Anlaß gab, da die beiden
Gegner sich an Schlagfertigkeit und natürlichem Witz ebenbürtig
waren. Ich selbst konnte dabei nach dem Gesagten nur die Rolle
eines Sekundanten von Boltzmann spielen, dessen Dienste von die-
sem freilich gar nicht anerkannt, ja nicht einmal gern gesehen wurden.
Denn Boltzmann wufte recht wohl, daB mein Standpunkt von dem
seinigen doch wesentlich verschieden war. Insbesondere verdroß es
ihn, daß ich der atomistischen Theorie, welche die Grundlage seiner
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