Full text: Vorlesungen über Thermodynamik

  
  
     
   
    
    
   
    
   
   
      
Dritter Abschnitt. 
Der zweite Hauptsatz der Wärmetheorie. 
Erstes Kapitel. Einleitung. 
S 106. Der zweite Hauptsatz der Würmetheorie hat einen 
von dem ersten Hauptsatz wesentlich verschiedenen Inhalt, da 
er eine Frage behandelt, die von diesem gar nicht berührt wird, 
nämlich die Frage nach der Richtung eines in der Natur ein- 
tretenden Prozesses. Nicht jede Veründerung nàmlich, welche 
mit dem Prinzip der Erhaltung der Energie verträglich ist, 
genügt auch den weitergehenden Bedingungen, die der zweite 
Hauptsatz den in der Natur wirklich vor sich gehenden Prozessen 
auferlegt; oder mit anderen Worten: das Energieprinzip reicht 
noch keineswegs aus zur eindeutigen Bestimmung der natür- 
lichen Vorgänge. 
Wenn z. B. zwischen zwei Körpern von verschiedener 
Temperatur Wärmeaustausch durch Leitung stattfindet, so ver- 
langt der erste Hauptsatz oder das Prinzip der Erhaltung der 
Energie nur, daß die von dem einen Kôrper abgegebene 
Wärmemenge gleich ist der von dem anderen Körper auf- 
genommenen Wärmemenge. Ob aber die Wärmeleitung in der 
Richtung vom wärmeren zum kälteren Körper erfolgt oder um- 
gekehrt, daraus läßt sich aus dem Energieprinzip allein nicht 
das mindeste schließen. Überhaupt ist die Frage nach der 
Größe der Temperatur dem Energieprinzip an sich fremd, wie 
schon daraus hervorgeht, daß man durch dieses Prinzip nicht 
zu einer exakten Definition der Temperatur geführt wird. 
Ganz ebenso enthält die allgemeine Gleichung (17) des 
ersten Hauptsatzes keine Aussage über die Richtung des be- 
treffenden Vorgangs, z. B. die spezielle Gleichung (50): 
{Hp} + 4{0,} — (H,O) = 68400 cal. 
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