478 Vierter Abschnitt Zur Kenntniss der neueren Mikroskope.
und verlegten es im October 1873 nach Wetzlar. Die ersten Leistungen
Gundlach’s zählten seiner Zeit schon zu den besten und seine Nach
folger waren ernstlich bemüht, den guten Ruf derselben zu bewahren.
Was mir im Laufe des letzten Jahrzehntes an Objectivsystemen etc. zu
Gesichte gekommen ist, hielt sich stets auf der Höhe der Zeit.
Seibert und Kr afft fertigen acht verschiedene Modelle, zwei
grosse, drei mittlere, ein Reisestativ, ein kleines und ein kleinstes.
Das grosse Stativ Nr. 1 wird als binnoculares, stereoskopisches
Mikroskop bezeichnet, aber auch mit einfachem Tubus construirt. Es
ist, wie die übrigen Nummern bis 7, ein Hufeisenstativ, von dessem Fuss
sich zwei, den Körper auf horizontaler, das Ueberlegen gestattender
Achse tragende Säulen erheben. Der grosse, mittelst Schrauben hori
zontal bewegliche Objecttisch ist um die optische Achse drehbar. Die
grobe Einstellung wird durch Zahn und Trieb bewirkt, die feine ist in
doppelter Art vorhanden und geschieht für die mittleren Vergrösserungen
durch die bekannte Parallelogramm Verschiebung („ohne Friction“), für
die stärkeren durch sehr langsame Mikrometerbewegung. Der Doppel
spiegel kann sowohl höher und tiefer gestellt, als seitlich bewegt werden
und die in Schlitten laufende Cylinderblendung mit 5 Diaphragmen (eines
schlitzförmig) und einer Centralblende kann in doppelter Weise — einmal
mittelst Hebelvorrichtuug — vertical bewegt werden. Neben diesem ein
facheren Beleuchtungsapparat wird noch der Abbe’sehe beigegeben. Die
optische Ausstattung besteht aus den Trockensystemen 00, 0, I, II, IV,
Vb, VIb, den Immersionssystemen VIIb, VIII, IX, X, den Systemen
Y[ 6 ", Vis", 1 /w" für homogene Immersion, den Ocularen 0, I, II, III
„periskopisch“, Revolvervorrichtung für fünf Objective, beweglichem Ocu-
larmikrometer, Objectivmikrometer, Polarisationsapparat mit Theilkreis,
Oberh äuser’ schein Zeichenprisma, Beleuchtungslinse auf besonderem
Fuss und Compressorium. Der Preis stellt sich auf 2500 Mark.
Nr. 2 (Fig. 300) ist gleichfalls ein grosses Hufeisenstativ. Der
Körper ruht auf einer starken, flachen, geschweiften Säule mit Gelenk
zum Ueberlegen. Der grosse, runde Objecttisch ist um die optische
Achse drehbar, mit Gradtheilung und Stellschrauben zur genauen Centri-
rung versehen. Grobe und feine Einstellung werden durch die gleichen
Vorrichtungen bewerkstelligt, wie die beiden ersten des Statives I. Die
Beleuchtungsvorrichtungen sind ebenfalls dieselben wie dort, es gehören
zu der Cylinderblendung jedoch nur vier Diaphragmen. Erhält das Stativ
die Objectivsysteme 0, I, II, IV, Vb, VIb trocken,VIIb, VIII,IXWasser
immersion, 1 / 12 // homogene Immersion, vier Oculare 0, I, II und III
(letztere periskopisch), beweglichen Ocularmikrometer, Polarisationsapparat
mit Theilkreis, 0 b e rhäus er ’ sches Zeichenprisma, grosse Beleuchtungs
linse, Revolvervorrichtung für vier Systeme und beweglichen Objecttisch
beigegeben, so beträgt dessen Preis 1140 Mark. Mit dem gleichen sonsti
gen Zubehör, und den Trockensystemen 0,1, II, IV, V a, IV b, den Immer
sionssystemen VII b und VIII, kostet dasselbe 868 Mark, mit den Objec-