74 Der erste Hauptsatz der Wärmetheorie
Daraus durch Subtraktion:
[C] + 4 {0,} — {CO} = 29000 cal,
die gesuchte Bildungswärme des Kohlenoxydgases.
$ 104. Hiernach führt die Anwendung der Theorie auch
dazu, Wärmetönungen von Prozessen zu berechnen, die gar nicht
direkt ausführbar sind. Denn sobald die Wärmefunktion eines
Systems auf irgend einem Wege gefunden worden ist, kann man
sie mit beliebigen anderen Wärmefunktionen in Vergleich bringen.
Es handle sich z. B. darum, die Bildungswärme von flüssigem
Schwefelkohlenstoff aus fester Kohle und festem Schwefel, die
sich nicht direkt verbinden, zu bestimmen. Hierzu kann man
folgende meßbare Vorgänge benutzen:
Die Verbrennung von festem Schwefel zu gasförmiger
schwefliger Säure:
[S] + {0,} — fSO,} = 71100 cal.
Die Verbrennung von fester Kohle zu Kohlensäure:
[C] 4- (0,] — (00,] — 97000 cal.
Die Verbrennung von gasfórmigem Schwefelkohlenstoff zu Kohlen-
säure und schwefliger Säure:
{CS,} 4 8{0,} — {CO,} — 2180,] — 265100 cal.
Die Kondensation von Schwefelkohlenstoffdampf:
{CS,} — (CS,) = 6400 cal.
Die Elimination aller übrigen GrôBen auf rein rechnerischem
Wege ergibt die gesuchte Bildungswärme:
[C] + 21S] — (CS,) = — 19500 cal,
also negativ.
Es ist die wichtigste Methode der organischen Thermo-
chemie, die Bildungswärme einer Verbindung aus ihren Bestand-
teilen dadurch zu bestimmen, daß man einmal die Verbindung,
das andere Mal deren Bestandteile verbrennt.
Methylwasserstoff (Grubengas) liefert bei vollständiger Ver-
brennung zu Kohlensäure und flüssigem Wasser:
{CH} + 2{0,} — {C,0} — 2(H,0) = 211900 cal.
Dagegen ist
(50) {H,} + 110} — (HO,) = 68400 cal.
[C] 4- (0,] — (CO,] — 97000 cal.
et de s