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HEINRICH
|. Zukunft
Aus der Ansprache vom 24. Januar 1924
(Friedrichstag)
In dem Wissenschaftsbetrieb unserer heutigen Akademie
steht als hóchstes Ziel die Mehrung und die Verarbeitung der
reinen Erkenntnis. Daß mit dieser Begrenzung dennoch, oder
vielmehr eben deswegen, auch eine wirtschaftlich produktive
Arbeit verbunden sein kann, ja daf die nur auf Erkenntnis ge-
richtete Forschung oft erst die notwendige Vorbedingung für
die Eróffnung ganzer Gebiete praktischer Handarbeit schafft,
ist uns in neuerer Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten ein-
dringlich zum Bewufitsein gekommen. Die Erfindung des Augen-
spiegels, die Formulierung des Dynamoprinzips, die Darstellung
der Anilinfarben, die Isolierung des Milzbranderregers, das sind
nur einige herausgegriffene Beispiele für Leistungen von hóch-
ster Bedeutung für das praktische Leben, welche auf Grund
rein wissenschaftlicher Forschungen ausgeführt worden sind,
von Gelehrten, die unserer Akademie als Mitglieder beitraten
und einen Teil ihrer Lebensarbeit in den akademischen Schriften
niedergelegt haben.
Heute, da das Deutsche Reich infolge des verlorenen Krieges
und seiner traurigen Folgeerscheinungen hart vor dem wirt-
schaftlichen Zusammenbruch steht, sind unserem verarmten
Volk derartige wissenschaftliche Leistungen notwendiger als
jemals; denn nur sie vermógen vielleicht die Hilfsquellen fiir
wirklich neue Arbeitsgelegenheiten zu erschließen. Das Schlimme
aber dabei ist, daB gerade derjenige Stand, aus welchem die
Gelehrtenwelt bisher ihre meisten und besten Jünger bezog,
der ehemals auskómmlich situierte Mittelstand, verhältnismäßig
am allerhürtesten von der wirtschaftlichen Not betroffen ist.
So führt die Wissenschaft gegenwärtig einen verzweifelten
Kampf um ihre Weiterexistenz. Denn von einer Pflege der
Wissenschaft wird nicht mehr die Rede sein können, wenn die-
jenigen, welche sie betreiben, zugrunde gehen.