Full text: Die organischen Nahrungstoffe und ihr Verhalten im Zellstoffwechsel (1. Teil)

AN OS SA 
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Eiweifstoffe.und ihre. Bausteine. 45] 
getriebe der Pflanze eröffnen. Schon aus diesem Grunde sind systematische 
Forschungen über ihre Bildung anzustreben, um alle Vor- und Zwischen- 
stufen bei der Entstehung eines bestimmten Alkaloides kennen zu lernen 
und gleichzeitig die Bedingungen zu erfahren, unter denen sie gebildet 
werden. 
Nahe Beziehungen zu den Grundstoffen mancher Alkaloide hat der 
Blattfarbstoff, das Chlorophyll. Er enthält Pyrrolringe. Der Beziehungen 
der Farbstoffe der Indolgruppe zum Tryptophan haben wir schon 
gedacht. Erwähnt sei, daß das aus den Wurzeln des Sauerdorns, Berberis 
vulgaris, gewonnene Berberin, ein gelber Farbstoff, der Isochinolinreihe 
angehört. Seinen ganzen Eigenschaften und seiner Konstitution nach ist 
es ein Alkaloid. Gewiß wird die weitere Forschung die Beziehungen zwischen 
den einzelnen Gruppen von Verbindungen noch viel enger knüpfen, als 
es jetzt schon der Fall ist. 
Wir wollen nun wieder zu der wichtigen Frage nach jenen Um- 
'andlungen von Aminosäuren zurückkehren, die durch direkte Versuche 
zur Beobachtung gelangt sind. Sie sind geeignet, uns Fingerzeige über 
die Art des Abbaus der Eiweißbausteine in unseren Körperzellen zu geben, 
wissen wir doch, daf in den Grundzügen bei allen Zellarten die Stoff- 
weehselvorgünge gleichartig sind, wührend in Einzelheiten jede Zellart 
Besonderheiten aufweisen kann. Hervorgehoben sei, daf auch hier die 
Fragestellung nie lauten darf, welcher Weg wird beim Abbau bestimmter 
Aminosäuren eingeschlagen, vielmehr müssen wir von Wegen sprechen, denn 
sicherlich vollzieht sich der Abbau je nach Bedarf und je nach den vorhandenen 
Bedingungen verschieden. Hinweisen wollen wir noch auf die hohe Bedeutung, 
die die Feststellung der Art des Abbaus von Aminosäuren durch bestimmte 
Zellarten für deren Charakterisierung hat. Durch das Studium des gesamten 
Stoffwechsels der einzelnen Zellformen bis in alle Einzelheiten kommen wir 
zu einer Festlegung der einzelnen Zelltypen, wie sie uns keine noch so genaue 
morphologische Forschung vermitteln kann. Fragen der Konstitution, Ver- 
erbung usw. kónnen auf dieser Basis viel schärfer erfaßt werden. Es liegt 
hier ein Forsehungsgebiet von ganz aulerordentlicher Bedeutung vor uns. 
Bestimmte Bakterien spalten aus Aminosäuren Kohlensäure‘ ab. 
Man erhält dann immer das um einen Kohlenstoff ärmere Amin. Wir 
sind diesen Verbindungen schon wiederholt begegnet.?) Einmal sind Amine 
als solche in höheren Pflanzen aufgefunden worden, und ferner finden sich 
Methylderivate von solchen. Die folgende allgemeine Formel unterrichtet 
über diese Art des Abbaus von Aminosäuren: 
R. CH. NH, — CO, —* R.CH, . NH. 
Es ist dies nicht die einzige Art der Aminbildung. Es kann auch 
eine Reduktion eintreten und die Amingruppe durch Abspaltung von 
Ameisensäure entstehen: 
R.CH.NH, +2H = RıCH. NH... + H. COOH. 
| 
COOH 
*) Vgl. 8. 321 ff., 324. 
  
 
	        
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