Full text: Die organischen Nahrungstoffe und ihr Verhalten im Zellstoffwechsel (1. Teil)

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Nukleoproteide. Nukleinsáuren und ihre Bausteine. 611 
Menschen findet man bauptsáchlieh Xanthin. Daneben geringe Mengen 
von Hypoxanthin und Spuren von Aminopurinen. Ob das in sehr 
geringer Menge vorhandene Allantoin in direkter Beziehung zum Abbau 
von Purinbasen steht oder nicht vielmehr vorgebildet in der Nahrung ent- 
halten war, ist noch unentschieden. Bei den anthropoiden Affen finden 
sich ganz ähnliche Verhältnisse wie beim Menschen, während die. übrigen 
Vertreter dieser Tierklasse den Allantoin bildenden Tieren nahestehen.!) 
Übrigens ist der Gehalt des Harnes an Purinbasen sehr gering (0:15—0:2g 
Stickstoff in dieser Form). 
Bei den Tieren, die Allantoin bilden, finden wir solche bei denen 
daneben relativ viel Harnsäure vorkommt. Die Purinbasen treten an Menge 
ganz zurück. Beim Hund, beim Kaninchen und Rind?) zeigt der Harn z. B. 
eine solche Verteilung der Purinbasenabkömmlinge. Beim Schwein und 
Pferd dagegen überwiegt die Menge der Purinbasen über die Harnsäure- 
menge. Bei ersterem fehlt Guanin ganz.3) Es ist von großem Interesse, 
daß bei diesen Tieren Ablagerungen von Guanin in Gelenken, in der 
Leber und in Muskeln beobachtet worden sind.*) Ferner wurde in einem 
solchen Falle auch Guanin im Harne aufgefunden.’) Offenbar fehlt in 
diesen Fällen — man hat geradezu von einer Guaningicht gesprochen — 
jenes Ferment, das die erwähnte Purinbase abbauen kann. Da offenbar 
gleichzeitig Adenin ganz gut angegriffen und in seine typischen Abbau- 
stufen zerlegt wird, ist wohl der Schluf) berechtigt, da) die Desaminierung 
von Guanin und von Adenin nicht durch das gleiche Ferment erfolgt. Dafür 
sprechen auch die Beobachtungen von Jones®), daß nicht jedes Organ Adenin 
und Guanin abbauen kann. Manche greifen nur Guanin an, andere wieder 
nur Adenin und endlich manche auch beide Aminopurine. Man hat daher 
von einer Adenase und einer Guanase gesprochen. Es ist móglich, daß 
auch diejenigen Fermente, die Hypoxanthin in Xanthin und dieses in 
Harnsáure überführen, besonderer Art sind und wiederum ein besonderes 
Ferment die Nukleoside Adenosin und Guanosin in die entsprechenden 
oxydierten Verbindungen: Hypoxanthosin und Xanthosin überführt. 
Wenn wir nunmehr alles zusammenfassen, dann ergibt sich ein ganz 
klares Bild des Abbaus der Nukleinsáuren im tierischen Organis- 
mus. Er erfolgt über die Nukleotide zu den Nukleosiden, wobei gleich- 
zeitig Phosphorsáure abgespalten wird. Diese letzteren Verbindungen zer- 
fallen dann in ihre Bausteine. Es entstehen Purin- und Pyrimidinbasen 
und ferner Kohlehydratmoleküle. Wahrscheinlieh erfordert jede Art der 
Nukleotide und Nukleoside eigenartige Fermente. Die Purinbasen werden 
dann weiter über die Oxypurine bis zur Harnsáure und bei den meisten 
Tieren darüber hinaus zu Allantoin abgebaut. 
*) Vgl. z. B. H. G. Wells: Journ. of biol. Chem. 7. 171 (1909 10). — Andrew 
Hunter und Maurice H. Givens: Ebenda. 18. 371 (1912). 
%) A. Schittenhelm und E. Bendix: Zeitschr. f. physiol. Chemie. 48. 140 (1906). 
— A. Schittenhelm: Ebenda. 46. 354 (1905). 
3) A. Schittenhelm: Zeitschr. f. physiol. Chemie. 66. 53 (1901). 
*) R. Vérchow: Virchows Archiv. 85. 358 (1866); 81. 147 (1866). — G. Salomon : 
Ebenda. 97. 360 (1884). — W. Mendelsohn: The Americ. Journ. of medical Science. 109 
(1888). — Vgl. auch A. Sehittenhelm und E. Bendix: Zeitschr. f. physiol. Chemie. 48. 
140 (1906. .. 
$) Pecile: Liebigs Annalen. 1883. 141 (1876). 
5) Vgl. die Literatur S. 670, Zitat ?). 
  
 
	        
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