Full text: Wanderfahrten eines Kunstfreundes in China und Japan

   
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Durch Rußland, Sibirien und die Mandſchurei 
Vorſpeiſe, darunter die berühmten faulen Eier, die ganz beſonders gut 
Ichmeden. Es folgt eine ausgezeichnete Nudelfuppe mit Hühnerfleiſch, darauf 
ein großer Fiſh mit Reis, dazu immer die braune, etwas ſalzige Sojaſoße, 
in die alles getunkt wird. Zuleßt eine Art gebratenes Hafleiſch, dazu Meer- 
Ihweinfchnitten und Bambusfhößlinge, die wieder ganz überraſchend gut 
munden. Das Eſſen mit den Stäbchen gelingt mir fürs erſte noh nicht, auch 
den warmen Schnaps aus Reis oder Kao-liang, höh konzentrierten Alko- 
hol, kann ih nur im kleinſten Quantum vertragen. Zuleßt wird Tee gereicht, 
ſoviel man will. Das Ganze koſtet 1 Dollar 20 Cents pro Perſon, alſo 
etwa 2,50 Mark, für ein ſo üppiges und vorzügliches Mahl erſtaunlich billig. 
Nach Tiſch bummeln wir weiter'dur< die Straßen. Wir ſehen einen zum 
Tod verurteilten Verbrecher, einen jungen Kerl, der auf einem Karren ge- 
feſſelt ho>t, einen langen Papierſtreifen mit dem Urteil ſteif über ihm be- 
feſtigt, und halb neugierig, halb ängſtlih um fich blickt, zwifchen militäriſcher 
Eskorte, viele Menſchen mitlaufend, hinterdrein in Rikſchas die Gerichts- 
beamten. Von den Vorübergehenden kümmert fi niemand um das Schau- 
ſpiel. Dann geraten wir in einen Theaterſaal, wo eben eine greulihe Mori- 
tat mit quietſchender, {riller Muſik geſpielt wird. Der Raum iſ ziemlich 
leer und ſo voll Dunſt, daß man faſt nichts ſieht und wir weitergehen. Man 
führt mich weiter in ein Freudenhaus, wo hübſche zweiſtokige Häuschen um 
einen weiten rehte>igen Hof ſih ſ{<ließen, in der Mitte ein Pavillon. Die 
Türen ſind alle verſchloſſen, da es noh zu früh am Tag ſei. An Sommer- 
abenden ſoll es hier hübſch ſein, weil alles im Freien zur Muſik promeniert. 
Jest ſieht man nur einzelne Blumen über die Gaſſe huſchen, darunter ganz 
junge Kinder und fette, verdorbene ältere Perſonen, ſtark gepudert und ge- 
{<minkt. Als wir in Rikſchas zurückfahren, begegnet uns ein Leichenzug mit 
großer Muſik, voraus die Stoffnachbildung eines Schimmels, dann eine 
Schar ziemlich {<warz gekleideter Leute, darauf ein Trupp würdiger Män- 
ner in Rot, vielleicht Prieſter, zuleßt der Sarg, unter einer weißen Bal- 
dachinumhüllung getragen. Alles geht raſh vorüber und niemand nimmt 
Notiz davon. Die Marktſtraßen ſelber find durd die bunten Plakate und 
die Menſchen farbig und hübſch, die Gebäude dahinter und erft recht die 
inneren Höfe aus Backſteinen oder Lehm ſehr geſ<hma>los, ſ{<mußig und 
armſelig. Auffallend iſt das ewige Verhandeln und Bereden der Chineſen 
um die einfachften Sachen, etwa beim Einkauf von Briefmarken auf dem 
Poſtamt, beim Geldwechſel u. dgl. Es preſſiert eigentlih nie — man hat 
immer Zeit, um lebhaft und ſcheinbar aufgeregt zu diskutieren und zu ge- 
ſtikulieren. Ein Einſpänner bringt uns den ſehr weiten Weg zum Bahnhof 
  
   
   
   
   
   
   
   
   
    
   
   
   
   
   
    
   
   
   
   
    
   
   
    
   
   
   
   
    
   
   
   
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