1239 Borussia — Boscage
Die Fortpflanzung der D. tft theil3 eine ungefchlechtliche, durch Theilung
u. durch Sproffung, theil3 eine geichlechtliche, durch Eier; Tebendig ges
bärend ſind nur wenige (Eunice). Sie find getrennten Geſchlechts,
die Oligochäten Zwitter; lebtere ſeßen ihre Eier in Cocons ab u. ent-
wideln fich aus ſolchen direkt, während die Jugendformen der übrigen
DB. eine Metamorphofe durchlaufen u. nad) Anordnung der Wimpern
ſich als ſehr manni<faltige Larven darſtellen. Die meiſten B. leben im
Waſſer, u. zwar vorwiegend im Meere, theils auf dem Grunde kriechend,
theils ſchwimmend, theils endlich in eigens gebauten Röhren wohnend
u. mit dieſen am Boden feſtgewachſen; im feuchten Erdreich halten ſich
nur wenige auf, wie z. B. die Negenwürmexr, u. nur ganz vereinzelt iſt
das Vorkommen paraſitiſcher Lebensweiſe bei ihnen (Alciopina- Larven).
Jhre Nahrung iſt theils vegetabiliſch, theils animaliſ<; im leßtern
Halle iſt der Schlund mit Kiefern bewaffnet u. als Rüſſel vorſtre>bar.
Als Hauptgruppen der B. nennen wir zunächſt die {on erwähnten
zwitterlichen Oligochäten, denen Fußſtummel, Fühler, Cirren u. Kiemen,
ſowie der Kopf u. die Schlundbewaffnung fehlen, u. die nur wenige
Borſten in ſeitlihen Gruben der Haut beweglich eingelenkt tragen; es
iind die befannten Regenwürmer (f.d.) u. die Naiden (f. d.). Die
zweite Hauptgruppe bilden die Nöhrenwürmer (f. d.) od. Tubico-
ten, mit Kopfkiemen, Hafenborften in den Eurzen Seitenhöcern, ohne
Cirren u. Kieferzähne, ſämmtli<h Meeresbewohner, die in Röhren
ſte>en, von ſhleimiger Beſchaffenheit (wie Siphonostomum), od. falfig
(Serpula), od. aus Gand gebaut (Hermella, Terebella), od. aus
Schlamm (Sabella), u. von denen einige ſogar Kalkſtein u. Muſchel-
ſchalen bohrend durhſeßen (Sabella terebrans, saxicola etc.). Die
Gruppe der meiſt vom Naube Iebenden Nereiden (f. d.) endlich trägt
die Kiemen an den Jußftummeln der Nücenfläche u. beſit Cirren u.
einen bewaffneten, al3 Rüffel vorftülpbaren Schlund. Zu ihnen gehört
3. B. die Seeraupe (f. d.).
Borussia, lat. Name für Preußen.
Bory de Saint-Dincent (pr. Borih de Sfäng Wängffang), Ba:
von Jean Baptiſte Marcellin, verdienſtvoller franz. Naturforſcher,
geb. 1780 zu Agen, begleitete 1798 den Kapitän Baudin auf ſeiner
wiſſenſchaſtlihen Expedition nah Auſtralien, trennte ſich aber auf der
Inſel Bourbon von ihm, durhforſchte dieſe u. kehrte nah Frankreich
zurück, wo er als Kapitän in die Armee trat. Er machte den Krieg
von 1806 u. 1807 mit, ging im folg. J. mit Ney (\. d.) nah Spanien,
ward dort Major u. Militärintendant beim Generalſtab des Marſchalls
Soult (\. d.) u. erhielt 1814 Oberſtenrang. Während der Hundert
Tage that er fich auc ala Mitglied der Kammer hervor, mo er fic) ing:
bei. nad) der Schlacht bei Waterloo gegen die Bourbon erklärte. Durch
das Dekret vom 17. Jan. 1816 zur Auswanderung. genöthigt, kehrte
er 1820 wieder in ſein Vaterland zurü>, wo er nun als Anhänger der
freifinnigen Partei journaliſtiſch thätig war. Jm J. 1829 leitete er
die von der franz. Regierung nah Morea u. den Cykladen abgeſandte
wiſſenſchaftlihe Expedition u. 1839 die wiſſenſchaftlihe Kommiſſion
für Algerien. Er ſtarb zu Paris als Oberſt im Generalſtab 22. Dez.
1846. Von ſeinen Schriften find hauptjächlich zu nennen: „Essai
sur les Iles fortunses et l’antique Atlantide, ou pröcis de l’histoire
generale de l’archipel des Canaries“ (Par. 1803); „Voyage dans
les quatre principales îles des mers d’Afrique“ (ebd. 1804, 3 Bde.);
das von ihm über die unterird. Steinbrüche bei Maſtricht unter dem
Titel „Voyage souterrain“ (e6d. 1821) veröffentlichte Werk u.
„L'homme, essai zoologique sur le genre humain“ (ebd. 1827,
2. Aufl., 2 Bde.). Außerdem gab er mit van Mons die „Annales
des sciences physiques“ (1819—21, 8. Bde.) u. mit Chaubard die
„Nouvelle flore du Péloponnèse et de Cyclades“ (ebd. 1838) her-
aus u. redigirte das im Auftrag der Negierung unter dem Titel „Ex-
pedition scientifigue de Morée“ erſhienene Werk (Par. u. Straßb.
1832 ff), ſowie ein „Dictionnaire classique de l’histoire naturelle“.
Borysthenes, der Name im Alterthum für den heutigen Dniepr
in Südrußland. Seine Quellen waren den Alten unbekannt; doch
rühmen ſie die Klarheit ſeines Waſſers, ſeinen Fiſhreihthum u. die
Weidepläße an ſeinen Ufern. Unweit ſeiner Mündung lag die mileſiſche
Handelsſtadt Boryſthenis od. Olbia.
Boscage (engl., ſpr. Boskedſh), Gebüſch, Luſtwäldchen, dicht mit
Buſchwerk beſeßte Parkpartie.
4
Boſh — Boſe 1240
Boſch (ſpr. Bos), od. Bos, Hieronymus, eigentl. Hieronymus
Agnen genannt, geb. zu Herzogenbufc um 1470, F um 1518, ein
holländ. Maler, der in feinen meiſt einer höchft abenteuerlichen Phan-
tafie entjproffenen Darſtellungen aus den Begebenheiten des Alltags:
lebens Karikaturen machte, u. mit mythologiichen u. biblijehen Gegen-
ſtänden allerlei Teufelsgejtalten u. Ungeheuer zu verbinden pflegte. So
iſt er ein Vorgänger des bekannten Höllenbreughel (\. „Breughel‘“).
Dieſe tollen u. wunderlichen Kreaturen zeugen zwar von reicher Gr:
findung8gabe, aber von wenig Humor. Er ſcheint lange in Spanien
gelebt zu haben, wo ſeine Werke dem verbrannten Gehirn Philipp's I.
beſ. zuſagten, der im Anſchauen eines ſolchen dämoniſchen Grauen-
bildes geſtorben ſein ſoll. Eines der beſten iſ im Muſeum zu Ma-
drid die mit allerlei Teufels\puk vermiſchte Anbetung der Könige, ein
anderes die häufig von ihm dargeſtellte Verſuhung des h. Antonius.
Noch erwähnen wir eine Allegorie auf den Triumph des Todes u. (ſein
tollſtes Erzeugniß) eine ſolche auf die Eitelkeit der Welt. Einige ſeiner
Bilder ſind in Berlin (Muſeum) u. in Wien (Belvedere).
Boſch, Graf Johannes van den, Generalgouverneur von Niederl.
Indien, geb. 1780 zu Herwijnen in Geldern, zeichnete fich bereits in
ſeiner Jugend im Kolonialdienſt in Indien, fpäter in den Napoleon.
Kriegen aus. Seit ſeiner Ernennung zum Generalmajor (1815) be-
ſchäftigten ihn vielfache Koloniſationspläne, die er als Generalgou-
verneur u. Generalkommiſſar von Niederl. Oſtindien 1830—34 im
größten Maßſtabe zur Ausführung brachte. Er iſt der Begründer des
ſog. Kulturſyſtems (\. d.) u. der zum Theil noch heute geltenden
holl. Kolonialpolitik (\. d.). Jm I. 1835 nad, Holland zurücge-
kehrt, bekleidete er no< 4 J. den Poſten eines Kolonialminiſters, zog
ſich dann ins Privatleben zurü>k, wurde in den Grafenſtand erhoben
u. ftarb auf feiner Befibung zu Bois-de-la- Haye 28. Jan. 1844.
Bosco, Bartolomeo, iſt gewiſſermaßen zu einem Heros der
Taſchenſpieler geworden, deſſen ſih die Sage zu bemächtigen anfängt.
Er hat es auch wirkli verſtanden, ſeine Kunſt zu adeln u. ſalonfähig
zu machen. Die Noth war ſeine Lehrmeiſterin geweſen. Zu Turin geb.,
war er mit den Franzoſen nah Rußland gezogen u. als Gefangener
nah Sibirien geſchleppt worden, wo er durch feine Zauberfünfte gefiel
u. viel Geld verdiente. Nachdem er 1814 ausgewechfelt worden ır. ſei-
nen. Abſchied erhalten hatte, durchreiſte er 18 Jahre lang Europa u.
einen Theil des Orients; überall erregte er durch ſeine außerordentliche
Gewandtheit, dur die Eleganz u. die äußerſt ſinnreiche Kombination
ſeiner Produktionen Auſſehen. Er fand viele Schüler u. Nachahmer, zu
denen bei. auch ſein Sohn gehört, der indeß 1857 ſi< unglücklicher
Weiſe durch einen Piſtolenſ<huß die Hand zerſhmetterte.
Boſe, Julius v., preuß. General, geb. 12. Sept. 1809, trat 1826
in den preuß. Dienſt, wurde 1829 Offizier im 26. Jnfanterieregiment,
vielfach in der Adjutantur, dem Generalſtab u. dem Kriegsminiſterium
verwendet, durch die verſchiedenen Rangſtufen 1860 zum Oberſten u.
Commandeur des Hohenzollern’ ſchen Füſilierregiments Nr. 40, 1864
zum Generalmajor u. Commandeur der 15. JInſfanteriebrigade beför-
dert. An der Spibe derſelben nahm er in der Armee des Prinzen Frie-
drih Karl an dem Feldzug 1866 mit hoher Auszeichnung Theil. Am
26. Juli erkämpſte er den hartnäckig vertheidigten Paß von Podol u.
bedrohte dadurch die Verbindung des öſterr. Corps unter Clam- Gallas
mit der Hauptarmee; im Laufe des Gefechts ergriff B. ſelbſt ein
Gewehr u. {ritt mit demſelben zu Fuß einer Sturmkolonne voran.
Hervorzuheben iſt ferner ſein Antheil an der Schlacht bei Königgräß,
wo er im Skalkagehölz rechtzeitig zwei Brücken über die Biſtriß {lagen
ließ, u. beſ. an dem Treffen bei Blumenau od. Presburg 22. Juli, wo er
über die March u. die Vorberge der Karpaten völlig unbemerkt in der
Flanke der Oeſterreicher vordrang, ſhon im Rücken derſelben an der
ſog. Jägermühle, dicht bei Presburg, erſchien u. ihren Rückzug höchſt
gefährlih od. unmöglih gemacht haben würde, wenn niht um Mittag
das Treffen infolge des zu Nikolsburg abgeſchloſſenen Waffenſtillſtands
hätte abgebrochen werden müffer. Nach dem Frieden wurde B. zum
Commandeur der 20. Diviſion in Kaſſel u. no< vor Ablauf des Jah:
res zum Generalleutnant befördert. Bei Ausbruch des Krieges 1870
zum Kommandirenden General des 11. (heſſen- naſſauiſchen) Corps er-
nannt, kämpfte er an deſſen Spiße bei Weißenburg u. bei Wörth, wo er
eine [here Verwundung erlitt, welche ihm die fernere Theilnahme an
AR