Full text: A=A bis Goethes Weisheit (1. Band)

57 Mauthner: Wörterbuch der Philosophie 
einmal vor den Gefahren sprachlicher Verlockungen warnen. 
Mich und den Leser, 
Auch Mach kann auf die alten Bezeichnungen Ursache 
und Wirkung, trotzdem er sie für vulgär und überflüssig er- 
klärt, nicht ganz verzichten; er spottet mit gutem Humor 
(„Erkenntnis und Irrtum“? S. 279) über den Vorwurf, daß 
er einen erbitterten Kampf gegen den Begriff Ursache führe; 
aber der Sprachgebrauch ist tyrannisch und zwingt auch den 
Widerwilligen vorläufig, zwei Veränderungen, von denen die 
eine unmittelbar auf die andre und aus der andern folgt, als 
Ursache und Wirkung auseinander zu halten. Mach wird mir 
recht geben müssen, wenn ich diese Zwangsvorstellung der 
Sprache bei der doch notwendigen Unterscheidung zwischen 
dem Energiebegriff und dem Funktionsbegriff wirksam finde. 
Beide Begriffe bezeichnen die Abhängigkeit zweier Ver- 
änderungen voneinander; beide Begriffe beziehen sich auf die 
Arbeit, die für die Veränderung notwendig war. Nun denke 
man noch einmal an das Gebiet, dem der mathematische Funk- 
tionsbegriff entlehnt worden ist: beim Seinsgrund der Geo- 
metrie, bei der Ellipse z. B. ist es ganz konventionell oder 
willkürlich, ob wir x oder y zur unabhängigen Veränderlichen 
machen wollen, ob wir y=f (x) oder x=f (y) schreiben 
wollen. Die Sprache weigert sich auch, da der Funktion eine 
Energie gegenüberzustellen; die Sprache würde sich ja auch 
weigern, auf die Entstehung der Kurve den Begriff Arbeit 
anzuwenden. Veränderungen, die nur Relationen des Raumes 
sind, nur Funktionen des Raumes, haben nichts mit Ursache 
und Wirkung zu tun; dieses Begriffspaar ist eine Funktion 
der Zeit, und Hume scheint recht zu behalten. Denken wir 
aber an den Grund des Werdens, an die physikalische Wirk- 
lichkeit, dann ist es — meinetwegen nur vorläufig — nicht 
konventionell, nicht willkürlich, ob wir die Ausdehnung von 
der Wärme abhängig nennen oder umgekehrt. Wohl aber 
können wir schon heute, allerdings nur mit einiger Anstren- 
gung, die Vorstellung fassen: es liegt in unsrer Willkür, vom 
Zeitmomente abzusehen und dann wie zeitlos unsre Aufmerk- 
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