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Wenn nun die Wahrheit ein durch Gründe gerecht-
fertigtes Aggregat oder System allgemein giltiger und
notwendiger Vorstellungsverbindungen ist, so ergibt
sich leicht, dass jede wahre Erkenntnis, zu welcher
der Mensch gelangen kann, notwendig Selbsterkenntnis
ist. Und damit gelange ich zu dem dritten Bestand-
teil in der Definition der Philosophie, nämlich: Die
Philosophie ist Wahrheit als Selbsterkenntnis
des Menschen. Aber hier erhebt sich die Frage: wie
unterscheidet sich die Philosophie von jeder anderen
Wissenschaft? Jede andere Wissenschaft trachtet nach
Wahrheit, ist oder will sein wahre Erkenntnis. Wenn
nun alle wahre Erkenntnis Selbsterkenntnis ist, wie
unterscheidet sich die Wahrheit der Philosophie von
der Wahrheit jeder andern Wissenschaft? Sie unter-
scheidet sich erstens und von vornherein dadurch,
dass die Philosophie, und nur die Philosophie und
keine andere Wissenschaft, den wirklichen Nachweis,
den stringenten Beweis zu führen hat: es gibt keine
Erkenntnis von absoluten, unabhängig existierenden
Gegenständen ausser uns — Von Dingen an sich —-,
sondern nur von Gegenständen in uns d. h. von VOor-
gestellten Gegenständen oder von unseren Vorstellungen
von Gegenständen; und sie hat weiter den Nachweis
zu führen: da unsere Vorstellungen von Gegenständen
— allerdings unter Mitwirkung gewisser äusserer Ver-
anlassungen — unser eigenes Erzeugnis, unsere eigene
Tat ist, die Tat aber ihren Täter, ihren Urheber er-
kennen lässt, so gibt es keine Erkenntnis, die nicht
Erkenntnis unser selbst, die nicht Selbsterkenntnis
wäre. Indem die Philosophie diesen Nachweis führt,
zeigt sie die Berechtigung und ist sie die Erfüllung
des alten Gebots, welches der Delphische Appollo an
jeden richtete, welcher dessen Heiligtum nahte: ro
oaxvtöry, und während jede andere Wissenschaft dieser
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