Full text: Fortschritte in der Metallographie

erzeugen (mittlere Ferritkornsehnenlängen 5 bis 6 um) und gute mechanische Eigenschaften 
zu erreichen (Streckgrenzen von 360 bis 420 MPa, Kerbschlag-Übergangstemperaturen 
TÜ77) um -80 °C; vgl. /1 bis 3/). 
Die TM-gewalzten Bleche wurden unterschiedlichen Normalglühbehandlungen 
unterworfen. Der erhöhte Si-Gehalt und die abgesenkten C- und Mn- Gehalte haben zur 
Folge, daß die Ac3-Temperatur und damit die zum Normalglithen erforderlichen 
Temperaturen bei diesen Versuchsmaterialien wesentlich höher liegen als bei den 
konventionellen Baustählen mit Si-Gehalten bis maximal 0,5 %. Daher ist beim 
Normalglühen besonders darauf zu achten, die Entstehung von grobkörnigem und 
inhomogenem Ferrit-Perlit-Gefüge mit nachteiligen Auswirkungen auf Festigkeit und 
Zähigkeit zu vermeiden. 
In diesem Beitrag werden die durch Normalglühbehandlungen verursachten Gefügever- 
änderungen mittels Linearanalyse charakterisiert und die Auswirkungen auf Festigkeit und 
Zähigkeit der Versuchsmaterialien analysiert. 
2. Experimentelles 
Als Versuchsmaterialien dienten Stähle mit 0,07 % C - 1,2 % Mn - 0,03 % Nb - 0,02 % Ti 
und Si - Gehalten von 0,82 % (Stahl 1), 1,17 % (Stahl 2) und 0,41 % (Stahl 3). Das 
Versuchsmaterial 3 mit 0,41% Si wurde als "konventioneller" Feinkornbaustahl zum 
Vergleich in die Untersuchungen einbezogen, 
Die Versuchsmaterialien wurden zu 30 mm dicken Grobblechen thermomechanisch gewalzt 
und einzelne Blechabschnitte (30 bzw. 11 mm dick) anschließend normalgeglüht. Dabei 
wurden die Normalglühparameter wie folgt variiert: 
- Glühtemperatur TN in der Nähe von Ac3 ( TN/Ac3 = 0,95 bis 1,03). Die angewandten 
Glühtemperaturen lagen bei Stahl 1 zwischen 910 und 955 °C, bei Stahl 2 zwischen 920 
und 990 °C und bei Stahl 3 zwischen 880 und 925 °C. 
-Haltezeiten tN von 0, 10 und 30 min. 
- Aufheizgeschwindigkeiten 20 und 40 K/min, Abkühlgeschwindigkeiten 30 und 50 K/min 
(gemessen jeweils im Temperaturbereich von 600 bis 700 °C). Die höheren Geschwin- 
digkeiten wurden an 11 mm dicken Blechabschnitten gemessen, und die niedrigeren 
Geschwindigkeiten ergaben sich beim Aufheizen bzw. Abkühlen der 30mm-Bleche. 
Die Ferrit-Perlit-Gefüge der normalgeglühten Bleche wurden mittels Linearanalyse 7 
untersucht. Gemessen wurden die Häufigkeitsverteilungen der Sehnenlängen von Ferrit- 
körnern und Perlitkolonien. Daraus wurden die mittleren Sehnenlängen d, die 95%-Quantile | 
der Haufigkeitsverteilungen D95 und, als Maß fiir die Inhomogenitit des Gefiiges, die a 
272  Prakt. Met. Sonderbd. 26 (1995)
	        
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