Full text: Müller-Pouillet's Lehrbuch der Physik und Meteorologie (1. Band)

    
182 Von den Bewegungen und den Kräften im Allgemeinen etc, 
dass zugleich die beschleunigende Kraft vergrössert wird; folglich ist es 
auf diesem Wege möglich, der Beschleunigung bei gleicher Entfernung 
von der Ruhelage einen beliebigen Werth zu ertheilen. Denselben Zweck 
erreichen wir durch Ersetzung des Kettchens durch ein solches von ge- 
ringerem Gewichte. 
Mit einem der beiden Apparate überzeugen wir uns zunächst, dass 
die Bewegung des aus dem Gleichgewicht gebrachten Kettchens eine 
periodische ist, d. h. dass die gleichen Bewegungen in gleichen Zeit- 
intervallen wiederkehren. Wären keine Reibung und sonstige Hinder- 
nisse vorhanden, so würde dies genau der Fall sein. Den grössten Ab- 
stand des Beweglichen von seiner Ruhelage nach oben oder unten nennen 
wir die Amplitude oder die Schwingungsweite. Die Zeit, welche 
verstreicht von einer äussersten Lage bis zur anderen, also die Zeit 
zwischen zwei Umkehrungen oder zwischen zwei Durchgängen durch die 
Ruhelage, nennen wir Schwingungsdauer, die Anzahl der Schwingun- 
gen in einer Secunde die Schwingungszahl, irgend eine momentane 
Entfernung des Beweglichen von der Ruhelage seine Elongation. Zeit- 
momente gleichen Bewegungszustandes nennt man gleiche Phasen. 
Phasendifferenz nennt man den Bruchtheil der Schwingungsdauer, 
welcher zwischen zwei momentanen Lagen des Beweglichen verfliesst. 
Durch eine erste Versuchsreihe entdecken wir die auf den ersten 
Blick überraschende Thatsache, dass die Schwingungsdauer unab- 
hängig ist von der Schwingungsweite. Haben wir es z. B. durch 
geeignete Wahl der gleichen Gewichtep und p’ dahin gebracht, dass das 
um 10cm gehobene Gewicht p gerade binnen einer Secunde bis 10cm 
unter die Ruhelage, also in Fig. 147 oder 148 von 40 bis 60, sich be- 
wegt, so wird es in derselben Zeit auch von 30 bis 70, von 20 bis 80 etc. 
sich bewegen. 
Da die Kraft, also auch die Beschleunigung, proportional mit der 
Entfernung von der Ruhelage (der Elongation) sich ändert, so entspricht 
einer nfachen Amplitude der Schwingungen auch eine »fache Anfangs- 
beschleunigung. Folglich ergeben die Versuche, dass sich die Schwin- 
gungsdauer nicht ändert, wenn das Verhältniss zwischen Amplitude und 
Anfangsbeschleunigung unverändert bleibt. 
Durch eine zweite Versuchsreihe ermitteln wir den Einfluss der 
verschieden grossen Anfangsbeschleunigung bei gleicher Amplitude. 
Hat in der ersten Versuchsreihe die Masse des Kettchens 2 der Ge- 
N 
sammtmasse betragen, so belasten wir jetzt die Schälchen p und p’ so 
vıel, dass die Masse des Kettchens nur mehr ER der Gesammtmasse be- 
N 
trägt, oder wir nehmen ein diesem Verhältniss entsprechend leichteres 
Kettchen. Die Anfangsbeschleunigung muss dann ein Viertel der frü- 
heren betragen. Der Versuch zeigt nun, dass dann die Schwingungsdauer 
das Doppelte der früheren beträgt. Sie ist also der Quadratwurzel 
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
   
  
  
  
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