135 EDUARD STRASBURGER: Pflanzliche Zellen- und Gewebelehre
Nach dem, was wir von der Rotbuche gelernt haben, wird es uns nicht sch
mehr in Erstaunen versetzen, wenn wir erfahren, daß bei Alpenpflanzen, je die1
nach der Höhe des Standorts, das Palisadengewebe verschieden mächtig ent- SsysSi
wickelt ist. Denn mit steigender Höhe nimmt im Gebirge die Lichtintensität dies
zu, und das hat eine Verstärkung des assimilatorischen Gewebes zur Folge. kan
nen A teeh / Auch werden wir es jetzt verständlich finden, daß bei Pflanzen, deren Laub- prix
blätter. blätter so gestellt sind, daß sie annähernd gleichviel Licht von allen Seiten lato
empfangen, diese Blätter im ganzen Umkreis sich gleich oder annähernd gleich erla
gebautzeigen. Sie führen Palisadengewebe dann vielfach an ihren beiden Seiten. die
Wie Julius Wiesner gezeigt hat, kommt solchen Laubblättern eine „fixe Licht- best
lage‘* vielfach überhaupt nicht zu. Das kann jedem die Betrachtung einer
unserer Kiefern lehren. zuri
Bau umgekehrt- Andererseits erklärt es sich ungezwungen, daß gewisse Pflanzenarten, die von
N te aub- aurch Drehung der Blattstiele oder des Blattgrundes die eigentliche Blattunter- als |
seite beständig nach oben kehren, meist nur an letzterer eine Palisadenschicht stre
ausbilden. Diese auffällige Erscheinung kommt verschiedenen Gräsern, z.B. dem ecke
in unseren Gärten kultivierten Pampasgras (Gynerium argenteum Nees), auch obeı
Laucharten, so dem Bärenlauch (Alltum ursinum L.) zu. eine
Die vollkommensten Leistungen bei der Einstellung ihrer Laubblätter zum ums
Lichte haben im besonderen die Leguminosen, für welche die Robinie (Robinia chy:
pseudacacia) als Beispiel dienen kann, erlangt. Die Fiederblättchen ändern, Epi
wie Julius Wiesner vor allem zeigte, ihre Lage je nach der Lichtstärke. Sie die ]
richten sich parallel zu den Sonnenstrahlen auf, wenn diese eine hohe Inten- förd
sität erreicht haben, stellen sich andererseits auf diffuses Tageslicht senk-
recht ein. den
Oberseite dorsi- An den meisten dorsiventralen Laubblättern fällt ohne weiteres auf, daß verh
N die Oberseite dunkler grün gefärbt ist, als die Unterseite. Eine anschauliche nisc]
phyllreicher. Erklärung für die Ursache dieser Erscheinung gewinnt man aus den durch G. Blät
Haberlandt ausgeführten Zählungen von Chlorophyllkörnern in den verschiede- Zwis
nen Partien der Blätter. In einem Quadratmillimeter Blattfläche der Rizinus- aus
pflanze (Ricinus communis L.) fanden sich durchschnittlich im Palisadenge- sche
webe der Oberseite 403 200, im Schwammgewebe der Unterseite 92 000 Chloro- gest.
phyllkörner vor, es gehörten somit 82 Prozent der Chlorophyllkörner der Ober- liege
seite, nur 18 Prozent der Unterseite an.
Blumenblätter. Bunte Blumenblätter, die an der Assimilationsarbeit der Pflanze nicht be- ohne
teiligt sind, entbehren dementsprechend auch des Palisadengewebes. Ihr Meso- etwa
phyll besteht aus lockerem Schwanımparenchym, das in zarten Blüten nur solcl
wenige Schichten bildet, ja im Extrem auf nur eine Zellage beschränkt ist und zugl
so den Raum zwischen den beiden Oberhäuten ausfüllt. freie
an Man überzeugt sich unschwer an entsprechenden Flächenschnitten, die das such
Mesophyll eines Laubblattes in sich fassen, daß die Gefäßbündel bis an ihre In je
äußersten Enden hin von Grundgewebsscheiden umgeben bleiben. Über dem serp
Ende jedes Bündelzweiges schließen die Scheidenzellen kappenförmig zusam- reic]
men. Fälle, welche die Tracheiden eines Gefäßbündelendes frei endigend zwi- Lan