NB. Wir bedienen uns dabei wiederum jener unmittelbaren Rela-
tionserkenntnis der Nichtverschiedenheitswahrnehmung. Zugleich wird
dadurch der st. K. als die einzige eindeutige Form einer solchen Defi-
nition festgelegt, Denn wenn die Ununterscheidbarkeit der Bewegungs-
richtung nicht vorhanden wäre, würde eine unübersehbare Vieldeu- no
tigkeit der definierten Gebilde die Folge sein. d
Es handelt sich hier, wie zum Überfluß betont sei, um die Definition ir
dessen, was man als „rein geometrische Bewegung‘ oder deforma- Ü
lionsfreie Bewegung von Körpern bezeichnen müßte. Die Bezeichnung Si
„Starrer Körper“, die sich für diesen rein theoretischen Begriff ein- Sı
gebürgert hat, ist deshalb ungünstig, weil sie unklar Denkende dau- a
ernd zu einer Verwechslung mit den „festen Körpern“ der Natur ver- a
anlaßt. Man sollte daher statt st. K. vielleicht besser „deformations- u
freier Körper“ sagen, Ein solcher „Körper“ braucht keineswegs „fest“ S
zu sein, er kann auch aus Flüssigkeit oder Gas bestehen. a
In dieser Herstellungsdefinition des st. K. ist die empirische Bewe- n
gung benutzt. Eine „Herstellung‘“ des st. K. ohne Bewegung ist ja E
sowieso unmöglich. Und die alte euklidische Furcht vor der Bewegung
war ja, wie wir im 1. Teil sahen, nur eine Folge bestimmter philoso- "
phischer Tendenzen, die ihrem Wesen nach längst überwunden sind ©
(wie wir ebenfalls im 1. Teil zeigten). Wollen wir ein Herstellungs- ;
rezept für den st. K. haben, wie das hier der Fall ist, so muß von der Ä
empirischen Bewegung als von einem irreduziblen empirischen Grund- 4
begriff Gebrauch gemacht werden. (Man könnte formal die „Bewe- "
gung“ hier durch eine Aussage über ,, jede Lage“ einer bestimmten Art a
ersetzen, aber dies ist für die vorliegende Überlegung ohne Bedeutung.) 7
Ich behaupte nun weiter folgendes, was für die Gesamtheit unseres
Gedankengangs ebenso wichtig ist, wie die vorstehende Definition
selbst. Ich behaupte, die vorstehende Definition ist nicht irgendeine
beliebige, nicht eine unter vielen gleichberechtigte (die eifrige logische
Arbeit an den logischen Grundlagen der Geometrie hat eine sehr große
Fülle von Möglichkeiten aller möglichen logischen Umformungen der I
grundlegenden Bestimmungen der Geometrie an die Hand gegeben),
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also eine euklidische Parallele. (Dieses Dreieck entspricht der starren Strecke, die u
in konstantem Winkel gegen die gegebene Gerade und mit einem Endpunkt auf d:
ihr gleitet. Aber dieser Winkel kann eben nur durch ein starres Dreieck als kon-
stant gefaßt werden.) Natürlich ist diese rein abstrakte Betrachtung für die prak- Lt
tische Definition des st. K. nicht unmittelbar verwendbar und als solche völlig ei
ungeeignet, Diese leistet nur die oben gegebene Definition. Es zeigt die Wirklich-
keitsferne mancher Theoretiker, daß mir Carnap daraus, daß ich den st.K. für IT
die praktische Anwendung zu definieren trachtete, glaubte einen Vorwurf machen 4
zu können. („Der Raum“, 1. €. p. 83).
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