Anhang zur Phänomenologie des Unbewussten.
8. Die Centra der räumlichen Sinne.
Am längsten und sichersten bekannt von allen Hirntheilen ist
die Function des Mittelhirns oder der Vierhügel (bei niederen Wirbel-
thieren Zweihügel genannt). Schon die Parallelität der Ausbildung
der Vierhügel mit der Schärfe des Gesichtssinns im Thierreich lässt
darauf schliessen, dass dieses Centrum die Aufgabe hat, die Gesichts-
eindrücke zu verarbeiten, und diejenigen Bewegungen refleetorisch
hervorzurufen, welche mit den Gesichtseindrücken in Beziehung stehen.
Zerstörung der Vierhügel bewirkt nicht nur Blindheit, sondern auch
Lähmung der Augenbewegung und Accommodation; man muss also
annehmen, dass die Grosshirnhemisphären die Gesichtswahrnehmungen
erst in der durch dießVierhügel vorbereiteten Form der Bearbeitung
empfangen, und dass nur diejenigen Bewegungen, welche durch ein
Zusammenwirken von Gesichts- und anderen Sinneseindrücken moti-
virt werden, von den Hemisphären ausgehen, dass aber solche Be-
wegungen oder Modificationen an dauernden Bewegungsvorgängen,
welche ausschliesslich durch Gesichtseindrücke bestimmt werden, in
der Hauptsache von den Vierhügeln selbstständig besorgt werden.
Die Accommodation der Augen wird von den hinteren Vierhügeln
geleitet, die Augenbewegungen von den vorderen, und zwar soll nach
Adamük Reizung des rechten vorderen Vierhügels Linkswendung,
des linken Rechtswendung beider Augen bewirken. Die Reizung des
vorderen Umfangs stellt die Blicklinien horizontal, die des mittleren
Theils nach oben und convergirend, die des hintersten Theils nach
unten noch stärker convergirend (W. 147).
; Nicht ganz so sicher constatirt ist die Bedeutung der (unpassend
mit diesem Namen belegten) Sehhügel oder des Zwischenhirns.
Wundt (198) betrachtet dieselben wohl mit Recht als das Tast-
centrum nach Analogie des eben besprochenen Gesichtscentrums,
d. h. als das Organ, welches „die functionelle Verbindung der Orts-
bewegungen mit den Tastempfindungen“ (vielleicht auch mit dem
Muskelsinn oder specifischen Muskelbewegungsgefühl) vermittelt. Auch
die Sehhügel functioniren unabhängig vom Grosshirnhemisphären-
willen als selbstständige Regulatoren, wodurch freilich nicht aus-
geschlossen ist, dass nicht auch der Hemisphärenwille sich ihrer be-
dienen könne, um auf gegebenen Befehl complieirtere Bewegungen
von ihnen ausführen zu lassen. Jedenfalls müssen dieselben bei allen
auch durch anderweitige Vermittelung vom Hemisphärenwillen an-
geregten Körperbewegungen als Regulatoren mitwirken. ohne
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