Full text: Grundzüge der Geschichte der Chemie

Das Zeitalter der Iatrochemie. _3 
ng als Nebensache erschienen, drückt jetzt die Heilkunde der 
tel- gesamten chemischen Arbeit ihr Siegel auf. 
Der Chemie war somit eine in modernem Sinne natur- 
3il- wissenschaftliche Zweckbestimmung gegeben. Aber die end- 
ie. gültige Festlegung einer selbständigen Wissenschaft setzte 
en damit noch nicht ein. Wenn man von allen stofflichen Sub- 
auf straten der Chemie nur den Organismus als Gegenstand ihres 
nd Studiums überwies, dann spezialisierte man sich auf ein ganz 
cn ungerechtfertigt beschränktes Gebiet; anderseits war aber ge- 
ıft- rade der Chemismus des lebenden Körpers ein so schwieriges 
SS Thema, dass als gewaltige Vorarbeit die genaue Kenntnis der 
in anderen Stoffe in höchstem Maße erforderlich gewesen wäre. 
K- So trug dielatrochemie von vornherein den Keim 
en ihrer Unzulänglichkeit in sich. 
nd An dem Beginn der iatrochemischen Forschung steht als 
cn führende Persönlichkeit Theophrastus Paracelsus. In 
af- ihm spiegelt sich der ganze Zwiespalt wider, wie er bei Men- 
schen in einer grossen Uebergangszeit so häufig auftritt. In 
ıt- seinen Werken erscheint er vielfach als der klare, scharfe Be- 
\l- obachter mit vorurteilsfreien Vorstellungen, manchmal aber 
je auch als ein schwankender Schwärmer, der noch mitten in 
N Mystik und Wunderglauben steht. 
te Paracelsus war 1493 zu Einsiedeln in der Schweiz ge- 
n boren, wo sein Vater als Arzt wirkte. Schon als Kind siedelte 
mn er nach Villach in Kärnten über und, nachdem er das Jüng- 
ie lingsalter erreicht hatte, begann er ein umherziehendes Leben. 
k Ungewiss sind in dieser Zeit seine Schicksale, und wenn er 
a auch berichtet, dass er die deutschen, französischen und eng- 
'- lischen Universitäten besucht habe, so kann es doch als fraglich 
n gelten, ob er wirklich ein geordnetes Studium absolviert hat. 
S Sicher aber ist, dass er mit genialer Begabung reiche medi- 
h zinische und chemische Kenntnisse gewann, letztere besonders, 
n indem er bei seinen Wanderungen häufig die Gegenden auf- 
d suchte, wo der Bergbau blühte und chemische Erfahrungen 
i- und alchemistische Fertigkeiten weit verbreitet waren. 1526 
n finden wir ihn als. Professor der Medizin in Basel, freilich 
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