4" Die moderne Chemie.
Aepfelsäure, Zitronensäure, Gallussäure; von animalischen
Säuren beschreibt er die Harnsäure und Milchsäure. Diese
grossen Resultate waren ihm dadurch möglich, dass er zum
ersten Male konsequent die Methode ausführte, die Kalzium-
salze zur Erkennung und Trennung von Säuren zu benutzen.
Er entdeckte das Glyzerin, das er aus Fetten durch Blei-
oxyd abschied, von anorganischen Säuren die Wolfram- und
Molybdänsäure und isolierte die arsenige Säure. Bei seinen
Arbeiten über Braunstein fand er das Mangan, das
Chlor und etwas vor Priestley den Sauerstoff, den
er ausserdem noch aus Quecksilberoxyd und Salpeter dar-
stellte. Er entdeckte das Baryum, dessen Salze er dann als
Reagenzien für Sulfate verwendete, stellte zuerst die Blausäure
aus Berliner Blau her und gewann auch aus Flußspat. ein Gas
von überraschenden Eigenschaften. Man kann wohl sagen,
dass kein Chemiker vorher oder nachher an Zahl
und Wichtigkeit der tatsächlichen Entdeckungen
mit Scheele verglichen werden kann.
B. Epoche der quantitativen Forschung.
War naturgemäss zuerst das Interesse der Chemiker aus-
schliesslich auf die Qualität der stofflichen Gebilde gerichtet,
so musste allmählich auch die Messung als Methode der For-
schung in Gebrauch kommen, sobald der Umkreis der che-
mischen Kenntnisse eine gewisse Weite erreicht hatte. Das
war im letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts infolge
der eben geschilderten Entdeckungen der Fall. Bezeichnender-
weise ist der Mann, der die Bedeutung der quantitativen Be-
ziehungen in der Chemie erkannte und durchführte, nicht
eigentlich von der Chemie ausgegangen, sondern von der
Physik, bei der die Bearbeitung von Messungsresultaten schon
seit langer Zeit den Gang der Wissenschaft bestimmte. Viel-
leicht war es auch für jemanden, der die stofflichen Erschei-
nungen nicht ausschliesslich durch die Brille der Phlogiston-
theorie zu sehen gelernt hatte, leichter, den quantitativen Ge-
D