578 Biermer, Krankheiten der Bronchien und des Lungenparenchyms.
so rasch auf einander als beim Keuchhusten, die Hustendetonationen schallen rauh,
aber nicht so erstickt, wie beim Keuchhusten. Zwischen den Exspirationsstössen
wird lebhaft inspirirt, aber nicht langgezogen; der Glottiskrampf mit der tönen-
den Reprise fehlt. Das Convulsive liegt hier nicht in einem krampfhaften Glottis-
verschluss, sondern in den gewaltigen, nicht zu unterdrückenden Hustenparoxys-
men. Die Abwesenheit des contagiösen Ursprungs, die Anwesenheit von anderwei-
tigen hysterischen Symptomen und die geringe Kückwirkung des Hustens auf Bron-
chien und Lungen (es bildet sich fast nie Bronchitis mit Alveolarcollapsus und
Bronchiektasieen aus) können zur Vervollständigung der Charakteristik des hysteri-
schen Hustens dienen. Anderweitige Fälle von periodischem Krampfhusten, welche
vorzüglich bei alten Leuten des Nachts und am Morgen beobachtet werden, kön-
nen noch weniger mit Keuchhusten verwechselt werden. Mehliss (Med. Zeit. v
Verein f. Heilk. in Preussen. N. 40. 1838) hat letztere Form gut beschrieben.
G. Sterblichkeit und Prognose des Keuchhustens.
$. 47. Der Keuchhustien gilt bei Aerzien und Laien im Allgemeinen
nicht als eine gefährliche Krankheit und in der That, wer nur seine eige-
nen aus der gewöhnlichen Land- oder Städiepraxis gewonnenen Erfahrun-
gen zu Rathe zieht und nicht zufällig ein oder die andere bösartige Epi-
demie zu beobachten Gelegenheit gehabt hat, wird es kaum begreiten,
dass in London von 1838—1853 inel. nicht viel wenigerKinder an Keuch-
husten, als an Scharlach und viel mehr an Keuchhusten, als an Masern
und Blatiern gestorben sein sollen. Und doch ist es so, da nach den
amtlichen Registern die Zahl der in den genannten 16 Jahren in London
an Keuchhusien Verstorbenen 28766, der an Scharlach Verstorbenen
30186, der an Blattern Verstorbenen 16562 und der an Masern Versior-
benen 19695 betrug (vgl. Gibb 1. c.). Im Ganzen starben während dieser
Zeit in London 833751 Menschen, so dass also 3,40/, der Gesammtsterb-
lichkeit aller Altersklassen von Keuchhusten veranlasst wurde. Nach Roe
(l. ec.) betrug die Zahl der von 1821— 1835 incl. in London an Keuchhu-
sten verstorbenen Kinder 11269, der an Masern verstorbenen 9884; die
Zahi aller während dieser Zeit in London Gestorbenen 332708, folglich ein
Procentsatz von 3,3 für den Keuchhusten. Friedleben (l.c.) berechnete
aus den Todtenregistern von ‚England und Wales vom 1. Juli 1837 bis
Ende 1839, dass 5,20/, sämmtlicher während dieser 21/, Jahre in Eng-
land versiorbenen Kinder (von der Geburt bis zum vollendeten 14. Lebens-
Jahre) an Keuchhusten zu Grund gegangen sind. Vergleicht man mit die-
sen auffallenden Proportionen die betreffenden statistischen Ergebnisse
aus anderen Ländern, so ist es freilich sicher, dass England und insbe-
sondere London in Bezug auf Häufigkeit und Gefährlichkeit des Keuch-
hustens eine Ausnahmsstellung einnimmt, aber es fehlt doch nicht an Be-
legen dafür, dass auch anderwärts der Keuchhusten viele Opfer forderte.
So sollen in Schweden innerhalb 25 Jahre (von 1806-1830) 50822 Todes-
fälle in Folge von Keuchhusten vorgekommen sein (Sixth Annual Report
of Registrar-General, cilirt bei Gibb). Und nach Rosen’s Angabe, die
übrigens mehrfach bezweifelt worden ist, sollen in Schweden von 1749 —
1764, also in 16 Jahren, 48393 Kinder an Keuchhusten gestorben sein.
Friedleben gibt an, dass von den im Jahre 1851 in Frankfurt gestor-
benen Kindern 8,540/, dem Keuchhusten erlagen. In Genf trafen im Jahre
1844 10,20/, sämmtlicher Todesfälle bei Kindern auf Keuchhusten, im
darauffolgenden Jahre aber nur 5,90%/, (Mare d’Espine. Annuaire de la
mortalil&E genevoise. Geneve 1847). Sehr gering war das Mortalitälsver-
hältniss des Keuchhustens zu Berlin aus den Jahren 1838-1847, es be-
trug nach Friedliebens Berechnung nur 1,90/, der gesammten Kinder-
sierblichkeit.