506 Einzelfragen
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Die natürliche Angebotsverminderung an ausländischem Kernobst trifft nun
gegenwärtig noch zusammen mit den allgemeinen im zwischenstaat-
lichen Güteraustausch bestehenden Erschwerungen. Die Äpfeleinfuhr war
in der Hauptsache auf solche Länder angewiesen, mit denen Clearing- oder
Verrechnungsverträge bestanden. Das Clearinggeschäft hat sich in der
Praxis wie im allgemeinen so auch hier als sehr langwierig und ver-
teuernd erwiesen; es ermöglichte uns außerdem nicht, den nach Qualität
und Preis günstigsten Markt aufzusuchen. Bei der Beschaffung der
Kelteräpfel wirkten diese Nachteile
angesichts der raschen Verderblich-
Rohftoff In keit der Ware und der Abhängigkeit
des Keltergewerbes von billiger
Apfel Rohstoffversorgung doppelt schwer.
Die ausländischen Lieferanten
von Kelterobst, unter denen Frank-
Pektine |] reich, die Schweiz und Belgien
von Bedeutung waren, wechselten
bis 1940 je nach den Möglichkeiten,
die sich auf Grund der Verträge
boten. Später schienen sich da-
gegen neue Einfuhrmöglichkeiten
Apfelwein
Obftkonferven
[ Marmeladen-Induftrie Geliermittel im haushalt ] aus J Ms 5 05 la wien 2 das bis dahin
nur wenig Apfel nach Deutschland
fitems in der ionditorei En ‘ . a
ausführte (1934 noch nicht 5000.dz!),
Süßweren-Induftrie Waffel-Indufteie &
RER EL äanzubahnen.
Speifeeis-herftellung Getränke-Induftrie Es sind drei verschiedene
[___Mitch-Wirtfehapt Bücherei-Gewerbe | Verbrauchsformen (Direktverzehr,
[Maginifae helmitel Aromen-Anduftrie |] Brotaufstrich und Getränke) bei
der Verteilung des Äpfelanfalls zu
berücksichtigen, wobei jede der drei
Konsumarten im Vergleich zu frü-
her an Bedeutung gewonnen hat. Dem konnte im Jahr 1934 bei der unge-
wöhnlich großen Apfelernte von insgesamt 15,65 Millionen dz gegenüber 8,34
Millionen dz 1933 ohne weiteres entsprochen werden. Der Einfuhrbedarf an
Äpfeln, der bereits 1933 von 2,56 auf 2,15 Millionen dz gesunken war, konnte
so weiter auf 1,65 Millionen dz vermindert werden bei einem Einfuhrwert
von 28,58 Millionen RM. gegenüber 36,70 und 45,50 Millionen RM. in
den Jahren 1934/35. Wie stark aber hier von Jahr zu Jahr Schwankungen
auftreten, hat uns gerade wieder das Jahr 1938 mit seiner schlechten Obst-
ernte gezeigt.
Abb. 30.
b) Pektine.
Während man noch etwa im Jahre 1916 aus 50 dz Obst 50 dz Marme-
lade gewann, werden 1935 aus 50 dz Obst 100 dz Marmelade bereitet. Was
dieser Fortschritt für die Sicherstellung unserer Marmeladeversorgung be-
deutet, mag daraus ersehen werden, daß wir 1937 allein mit rd. 1,5 Mill. dz
verbilligter Marmelade rechnen konnten.
Diese unbedingte Sicherheit der deutschen Marmeladebereitstellung
haben wir dem Pektin zu verdanken. Das deutsche Pektin stellte — wie
unten noch ausgeführt wird — einen natürlichen Bestandteil des
Apfels dar. Dieser wertvolle Versteifungsstoff ist außer im Apfel nur
st