11. Variabilität und ihre Vererbung 515
'anlassung auch durch Generationen hindurch fortgesetzte Selektion
nicht ändern, wie Johannsen in langjährigen Kulturen zeigte. Durch
praktische reichlichere oder knappere Ernährung des ganzen Bestandes verschiebt
ıüssen wir sich natürlich die ganze Verteilungskurve nach Seite der Plus- oder
. erörtern, Minusvariation, an den Erblichkeitsverhältnissen wird aber dadurch
inzelnen nichts geändert. Eine solche Reihe nun nennt Johannsen eine „reine
in Selbst- Linie‘, und er konnte zeigen, daß eine gewöhnliche „Bohnenpopulation‘“
Ss Gewicht aus einer großen Zahl (19) solcher reinen Linien, die untereinander gemischt
va von je sind, besteht, so daß wir in den „individuellen Variationen‘, die wir
folgende daran wahrnehmen, tatsächlich zweierlei ganz verschiedene sich durch-
inge von: kreuzende Erscheinungen haben. Eine bestimmte. Samenlänge kann
dann nämlich ebensowohl eine Minusvariante der einen „reinen Linie‘
als eine Plusvariante einer anderen, als das Mittel einer dritten sein,
sieht un- und umgekehrt: der Unterschied in der Länge zweier Samen kann ebenso-
äufigsten, wohl darauf zurückzuführen sein, daß sie fluktuierende Varianten der-
nten, um selben Linie sind, wie darauf, daß sie verschiedenen Linien angehören.
m Durch- Kommt nun bei den nicht selbst bestäubenden Pflanzen und bei Tieren
ıch durch noch die Wirkung der zahllosen Bastardierungen der „reinen Linien“
etzen. der untereinander hinzu, so sieht man, wie außerordentlich verwickelt die
B. in dem Verhältnisse werden, die bei Darwin unterschiedslos in dem Begriff
’at, wenn der individuellen Variation enthalten sind.
len Trich- Es kommt ein weiterer Punkt hinzu. Schon Darwin bemerkte, daß
dann an neben jenen anscheinend regellosen, d.h. nach allen möglichen Rich-
x gestell- tungen liegenden Variationen, deren Erblichkeit er annahm, aber nicht
er rechts beweisen konnte, auch vereinzelte besonders große und einseitige Va-
der unten riationen (single variations) vorkommen, und führt zwei derartige ver-
nmelnden bürgte Fälle an, die im Jahre 1791 und 1828 beobachtet wurden, näm-
ı Gesetz, lich die Geburt je eines Widderlamms mit ganz abnormen Beinen bzw.
lessungen Haaren, deren Eigenschaften konstant auf die in großer Zahl gezüchteten
ven Merk- Nachkommen übergingen und die so Anlaß zur Entstehung ganz neuer
t in einer Rassen wurden. In der Pflanzenzucht sind solche Fälle noch häufiger
esetz) an- beobachtet; so entstand z. B. die erste gefüllte Petunie nachweislich im
keitslehre Jahre 1855 in einem Garten in Paris und wurde die Stammform aller
erenden späteren Exemplare. Solche plötzlich auftretenden und sogleich kon-
e auf die stant vererbbaren Variationen, wohin auch manche erbliche Monstro-
ältnisse sitäten zu rechnen sind, heißen heute nach de Vries Mutationen.
zuführen. Letzterer beobachtete in einem Bestande von Nachtkerzen (Oenothera
lle erb- Lamarckiana) in der Nähe von Amsterdam das unvermittelte Auftreten
züchtet einer ganzen Anzahl wohl charakterisierter neuer Unterarten, die ihre
‚en oder Eigenschaften anscheinend konstant: weiter vererbten (Abb. 73). Er
eilungs- nannte diese Mutationen und baute auf diese Beobachtung eine neue
selbst für Theorie der Abstammungslehre auf, indem er scharf zwischen solchen
ißt sich vererbbaren Änderungen und den fluktuierenden Variationen, die nicht
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