Full text: Das Ende des Liberalismus in der Wirtschaft

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Appell an den Jdealismus 
Das Bauerntum hat zwei große Aufgaben zu erfüllen: Lebensquell 
des Volkes zu sein und die Volksernährung zu sichern. Weil im Zute 
der liberalistischen Entwicklung des 19. Jahrhunderts auch in Deutsch- 
land beide Aufgaben nicht mehr gesehen wurden, (zlaubte man, das 
Bauerntum vernachlässigen zu können. 
War sc<on in früheren Jahrhunderten aus der Verkennung der 
Bedeutung des Blutes heraus Tausenden von deutschen Bauern die 
Zebensgrundlage in ihrer »zeimat zenommen, mußten sie damals ge- 
zwuntgenermaßen meist als Söldner in fremder Staaten Dienst treten, 
so wurde mit dem Aufbrechen des Liberalismus der Wet frei für ein 
Hemmungsloses Auswandern Tausender von Bauernfamilien, die teils 
im Osten und Südosten Europas, zum größten Teil aber in der Vreuen 
Welt sich eine neue Lebensgrundlage suchen mußten. Von heute aus 
gesehen war es ein dauernder ungeheurer Aderlaß besten deutschen 
Blutes. Die Meilensteine dieses verhängnisvollen Wetes waren die 
sogenannten Agrarkrisen. Die Erschließung der Welt führte nämlich 
zu einer ungeheuren Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung, und 
da in jenen jungfräulichen Ländern der Aufwand zur Erzeuttungg von 
LTahrungsmitteln ein sehr viel geringerer war als in den alten Kultur- 
ländern Europas, Fonnten die dort in Ulassen erzeugten LTahrungsmittel 
und Rohstoffe den europäischen Markt überschwemmen und durch ihren 
billigen Preis die Arbeit der Bauern dieser Länder entwerten. 
Durch die Zunahme der Bevölkerung in Deutschland im Laufe des 
vergangenen Jahrhunderts wäre ortganischerweise eine Erhöhung der 
Erzeugung notwendig gewesen, das heißt, die Intensität hätte dauernd 
und anhaltend so gesteigert werden müssen, daß die dadurch vergrößerten 
Roherträge dem steigenden LIahrungsbedarf die Waage halten konnten. 
Diese organische Entwicklung wurde jedoch durch die »ausländische 
Scleuderkonkurrenz verhindert. Infolge dieser Unterbietuntg durch das 
Augsland konnte sich die deutsche Landwirtschaft nicht ausreichend inten- 
swieren. 
Aus diesem Gegensatz zwischen notwendiger Intensität und der 
vom Ausland aufgezwungenen Extensivierungstendenz entstanden die so- 
genannten Agrarkrisen, von denen die bekannteste in der Vergangenheit 
die Caprivi-Krise war. Gustav Ruhland hat in seinem Werk „Die 
internationale Getreidekonkurrenz -- ein kapitalistisches Problem“ diesen 
Zusammenhant klar erkannt. Er hät gezeigt, wie das Einbrechen billiger 
DJahrungsmittel aus dem Ausland die intensive deutsche Landwirtschaft 
zur Extensität zwantt. Dadurch aber fielen Tausende deutscher Landwirt- 
schaftsbetriebe der Krise anheim. Die Bauern dieser zusammen- 
gebrochenen Betriebe zogen mit dem weißen Sto> in die Lieue Welt 
und verschärften nun ihrerseits die Lage ihrer daheimgebliebenen Volks- 
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