Full text: Krankheiten der Blut- und Lymphgefäße (5. Band, 2. Abtheilung)

  
50 Lebert, Krankheiten der Arterien. 
von den Fingern und Zehen nach oben, der schleichende Verlauf, der mehr 
mumifieirende Charakter des Brandes sichern in der Mehrzahl der Fälle die 
Diagnose. 
8. 49. Prognose. Wir abstrahiren hier natürlich vollkommen von der 
langsam zu Stande kommenden Verödung der Arterien. Die schnell oder plötz- 
lich auftretende Form aber, welche den Hauptigegenstand dieser Beschrei- 
bung bildet, ist nach allem Gesagten eine sehr schmerzhafte und sehr ge- 
fährliche Krankheit, jedoch geht bereits aus den milgelheilten statistischen 
Angaben über den Verlauf hervor, dass man die Prognose auch nicht allzu 
ungünstig und namentlich nicht als absolut lethal zu stellen hat. Wir ha- 
ben oben gesehen, dass in 1/, der Fälle ungefähr die Heilung eintritt. Je 
schneller verlaufend, je schmerzhafter die Krankheit, je älter und herunter- 
gekommener der Kranke, desto schlimmer ist die Prognose. Zieht sich im 
Gegentheil die Krankheit mehr in die Länge, dehnt sich der Brand nur 
langsam aus, lassen die Schmerzen nach, bildet sich Elimination des Ab- 
gesiorbenen allmählich aus, so kann man einen günstigen Ausgang hoffen. 
Wir haben auch gesehen, dass in mehreren Fällen Heilung nach Amputa- 
tion erfolgt ist, und wir müssen auch hier uns gegen die verbreilete An- 
sicht erheben, dass die Ampulation noch eine Gefahr mehr bringe und dıe 
Prognose schlimmer mache. Die geringe Blutung, die Verstopfung der 
grossen Gelässe machen im Allgemeinen die Operation unter diesen Um- 
ständen weniger gefährlich, als bei Integrität des Kreislaufs; freilich setzt 
sie dem- Brand oft keine Schranken, aber vergessen wir nicht, dass unter 
unseren Beobachtungen 3 durch Amputation Geheilte sich befinden; mit 
einem Worte, die Krankheit ist eine höchst gefährliche, in der grossen 
Mehrzahl der Fälle tödtliche, aber dennoch einige Aussicht auf Heilung 
darbietende. 
$. 50. Therapie. Sehr viele Mittel und Behandlungsmethoden sind 
gegen die Krankheit empfohlen worden. Man begreift die so häufige Er- 
folglosigkeit, da es kein Mittel gibt, welches die Arterienverschliessung zu 
heben im Stande wäre, und der durch dieselbe entstehende Brand von so 
bedeutenden Cireulationsstörungen begleitet ist, dass ein Collateralkreislauf 
nur sehr schwer zu Stande kommt. Die Behandlung ist daher eine rein 
palliative, man müsste denn die Amputation, welche allerdings so manche 
Erfolge zählt, als eine Radicaleur ansehen wollen. Wir werden im Folgen- 
den die wichtigsten vorgeschlagenen Mittel kritisch beleuchten, woraus sich 
dann die dem Arzt zu Gebote stehenden Hülfsquellen natürlich ergeben 
werden. 
Die antiphlogistische Methode ist von manchen Seiten her gerühmt 
worden, besonders von den gewichtigen Autoritäten, welche in dem spon- 
tanen Brande der Greise nichts als eine Arteritis sehen. Mehrfach wieder- 
holte Aderlässe und Blutegel sind in einer Reihe der analysirten Kranken- 
seschichten in Anwendung gebracht worden, jedoch in keiner tritt ihr 
Nutzen deutlich und bestimmt hervor. 
Das Mittel, welches noch, die meisten Stimmen vereinigt, in manchen 
Fällen Erleiehterung verschafft hat und mir am allermeisten indieirt er- 
scheint, ist das bereits von Pott gegen diese Krankheit empfohlene Opium, 
und zwar in ziemlich starken Dosen. Man kann mit 3 Mal täglich 1/, Gran 
Opium oder 1/—1/, Gran Morphium anfangen und allmählich bis auf 
6—8 Gran Opium oder 1, selbst 11/, und 2 Gran Morphium in 24 Stunden 
steieen. — Die Opiumpräparate können natürlich in sehr verschiedener 
Form angewendet werden, als Extraet, als Tinetur, in Substanz, als eines 
der Opiumalkaloide, Codein, Morphium ete.; innerlich, endermatisch oder
	        
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