Full text: Aesthetik in Umrissen (1. Theil)

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keineswegs als ein exaktes Schaffen na< Außen hin, sondern zugleich als " 
ein innerer Prozeß in den schaffenden Geistesmächten selbst, als ein . 
zeitlicher Fortschritt der über den Ereignissen waltenden Jdeen, der wieder . 
großentheils durch die geschichtlich zu geistiger Wirkung sich aufschließenden 0" 
nationalen Naturunterschiede der Menschheit, durch Auffrischung 
des Blutes in der Völkermis<hung, durch den Heimatswechsel der Völker- -* 
wanderung u. dal. m. bedingt ist; sv daß in der Geschichte die allgemeine | 
Einheit von Natur und Geist, die der Mensc< als solcher darstellt, auf | 
das feinste und mannigfaltigste spezialisirt wird, und in der Besonderung - 
und Abartung der Kulturformen und sittlichen Ideen sic eigentlih nur N 
die ins -Geistleben umgeseßte Naturart der Kulturvölker, die | 
geistige Entfaltung ihrer angebornen Anlage in der bestimmten Form | 
ihrer erworbenen Bildung manifestirt. In den einzelnen bedeuten- 
den Gestalten kehrt nun die Art fortwährend wieder zur Gattung zurü; 
in ihnen erlangt jene durch die nationale Bildung spezialisirte Einheit von 
Natur und Geist ebenso sehr die Schneide der individuell <arakteristischen 
Eigenthümlichkeit, als auch die Würde des allgemein Menschlichen. 
Zunächst treten die ethischen von der Volksart besonderten Gattungsmächte, 
wie eines Gottes Anhauch, an die bedeutenden Individuen eingebend heran, " 
und erwecken dieselben als eine zweite geistig bildende Natur zu ihrer Be- en 
deutung; dann werden aber wieder diese Mächte durch die geniale Ein- MY 
zelkraft aus der Schranke nationaler Besonderung dem menschlich Allge- . 
meinen entgegenführt: und das die Geschichte stets weiter treibende Postulat, " 
daß aus der zeitlich hervortretenden Mannigfaltigkeit der Kulturerscheinun- | 
gen ein Ewiges, die volle Menschheit hervorgehe, stellt sich daher in den 
bedeutenden Individuen als ein relativ erreichtes dar. Die Ineinsbildung 
der volksthümlichen Besonderheit und des menschlich Allgemeinen in der in- 
dividuellen Eigenthümlichkeit ist nun aber der Möglichkeit nach eine so un- 
endlih mannigfaltige, die Art und Weise, wie die sittlichen Lebens- 
mächte als nationale Sitte, Tradition oder Anschauung sich besondern, 
als das Pathos des Einzelnen sich individualisiren, eine sv unbere- 
<enbar vielfache, daß das Geistschöne, diese sinnlich lebendige Darstellung 
der ganzen, in der Naturfülle der bestimmten Nationalität wiederscheinen- 
den Geistestiefe der Menschheit zu einem unersc<öpflichen Reichthum von 
Formen sich aufschließt,
	        
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