Wellen die Bergquellen eilen. Wir lauschen nicht mehr, wie die Hirten
des Mänalischen Gebirges auf die Abendmusik der Pansflöte, aber dafür
zieht der Friede der Abendstimmung wie ein gehaltener Flötenton durch
unser Gemüth. Und wenn in der glühenden Mittagsstunde die Natur ver-
sunken ist in müdes Schweigen, und mit offenen Augen zu schlafen scheint
unter der heißen brütenden Sonne: dann ist es auch nicht der Schlaf des
von der Wildjagd ausruhenden Pan, den wir zu stören fürchten; aber
dennoch versinken wir still und sinnend in uns selbst, denn der heimliche
Spuk des Mittags ergreift wie im Traume das Herz. =- Dieses vertiefte
Naturgefühl ist ein unendlicher Ersag für die Entgötterung der Ratur,
über die Schiller in der Elegie: „Die Götter Griechenlands“ so sehr
klagt. = Nicht allein die plastisch-soliden Göttergestalten des klassischen
Alterthums, auch das aus keltisch-germanischer Phantasie entsprungene,
luftig somnambule Volk der Dämone und Elementargeister, der Elfen,
Nixen, Wassermänner, Kobolde u. s. w. ist längst entfernt; weder götterhaft,
noc< auch dämonisch ist die Natur ; weder die Naturreligion, no< auch
physischer Aberglaube innerhalb der Religion des Geistes braucht ihr weiter
Poesie zu leihen : uns ist Wasser, Fels und Wald geistathmend geworden
ohne selbst Geister zu beherbergen.
Schon in den ersten <ristlichen Zeiten sehen wir das moderne Natur-
gefühl im Abglanz der neuen und tiefsten Offenbarung des Geistes
bedeutsam sich entwieln, und werden später Gelegenheit finden, uns dies
kulturgeschichtlich zu erklären. Ein interessantes Denkmal <ristlicher Natur-
liebe aus frühester Zeit ist ein auch von Humboldt in seinem Kosmos
(II. 27.) citirter Brief Basilius des Großen an Gregor von Nazianz,
worin er seinem Freunde eine Wildniß am Fluße Jris in Armenien
beschreibt, in die er sich zu beschaulichem Leben zurückzuziehen beschlossen
hat. *) Gott hat ihn endlich einen Ort finden lassen, wie er seiner Ein-
*) Diese durch ihre lyrisch kontemplative Stimmung interessante Naturschil-
derung ist für unsere Untersuchung sehr belehrend; und so mag sie hier stehen.
„I< glaube endlich“ so schreibt Basilius an seinen Freund, „das Ende meiner
Wanderungen erreicht zu haben .... Gott hat mich einen Ort finden lassen, wie
er uns beiden oft in der Einbildungskraft vorgesc<webt. Was diese uns in wei-
ter Ferne gezeigt, sehe ic< jekt vor mir. Ein hoher Berg, mit dichter Waldung
bede>dt, ist gegen Norden. von frischen, immerfließenden Gewässern befeuchtet. Am
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