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LÄUGNEN
auch in oberdeutschen quellen erscheint, theils in der schreibung
löugnen, fheils als leugnen, manchmal in ein und derselben
quelle: leugnen, abnuere, negare, diffileri, inficiart, ire inficias,
recusare. MAALER 269°; löugnen, nit gichtig oder anred sein,
inficiari, negare, denegare, diffiteri 275°; negare leugnen, lögnen
Dier. 377°. die schreibungen läugnen und leugnen bestehen noch
heute neben einander, die erstere wird hier aus etymologischen
gründen bevorzugt,
2) für den infinitiv besteht die zusammengezogene form laugen,
läugen (noch heute kärntnisch laugen neben laugnen): inficiari
lawgen Dıier. 297°; negare leugen 377°; die frawe ir gesicht
zü der erden hielt, weder ze laugen noch ia zü sprechen sy
geschicket was. STEINHÖWEL dec. 219, 24;
Jacob. aber zu forderst schaf und rinder,
camel und anders in gemein,
das soll, mein herr, dein eigen sein,
auf das ich gnad find vor dein augen.
Esaw spricht: gnad hast, mein bruder, ane laugen.
ich hab selb gnug, behalt das dein!
H. Sacues 1,23 (1,106, 7 Keller);
auch lauken, leuken: infici laukin, leuken, frist brechin Dıegr.
297°; in dirre nacht &r wan der hane singet, sö saltu min
driweit vorloukin. Behaims ev.-buch, Matth. 26,34; so künden
die Jüden nicht leuken, das (sie) sint der zeit Jerusalem ver-
störet ist, nu wol funfzehen hundert jar, kein scepter, das ist,
kein königreich noch könig gehabt haben. LuTHER 2,92438';
das wort gotts man sie leuken hiesz. 8,370’;
und von dieser infinitivform verbreitet sich, doch im ganzen selten,
der ausfall eines n auch in andere formen, präteritale: der burger
leukete und sprach, er kante des mannes nüt. d. siddtechron.
8, 54, 16; der burger leukete anderwerbe mit sime eide, daz
er den man nie hette bekant. 54,19;
ern mohte mirs gelouget hän.
herzog Ernst 775 Bartsch (variante geleycket) ;
wie präsentiale :
wie so gar selig ist, der nun die welt,
zurücke setzet,
mit gott sich ergetzet,
sich selbsten verleugt. BUcHNER bei SCHOTTEL 904;
Petrus verlaugt gott seinen heren.
kinderlied bei LEXER 174.
neben der umgesetzten seltenen form leynken negare DıEer. 377°
findet sich mit ausgefallenem guttural leunen, als niederrheinisch
belegt bei LEXER mhd. handwb. 1,1969.
3) läugnen, nicht bekennen, nicht zugeben, in abrede stellen :
in mehrfacher fügung.
a) absolut: sendet er aber einen boten dar, der dem man
lobet an siner stat, da sol er liute zu nemen, ob er lougenen
welle, daz man in überziuge. Schwabensp. 9, 2; wer swigit, der
bekennit noch lokint nicht. Magd. blume 2, 3, 75; dovon gienk
Albrecht der hye stet aus demselben rate und wold ym wedeı
bekennen noch lawken. älterer schöffenspruch von Iglau no. 261
bei Tomascnerx oberhof Iglau s. 256; do rüfte er aber dem wurte
und frogete in noch dem gelte. der wurt leukente also vor.
d. städtechr. 8, 453,13; da leugnete Sara, und sprach, ich habe
nicht gelachet. 1 Mos. 18, 15; er leugnet aber fur jn allen.
und sprach, ich weis nicht was du sagest. Malth, 26,70 (golh
laugnida faur baim allaim qibands..); und er leugnet aber-
mal und schwur dazu. 72; und Jesus sprach, wer hat mich
angerüret? da sie aber alle leugneten, sprach Petrus und die
mit jm waren, meister, das volk drenget und drücket dich
Luc. 8,45; und er bekandte und leugnet nicht. Joh. 1,20
leugne nur braf drauf, si fecisti, nega. STIELER 1150. im sub-
stantiv gesetzten Infinitiv: wenn ınan mit läugnen könte vom
galgen kommen, würde niemand gehenkt. Pıstorius thes, par.
5,94; da er seine liebevolle mutter noch mit leugnen, lügen
und mährchen aufzuhalten gedenke. GöTHE 15, 198.
h) mit einem genitiv der sache, in der älteren sprache:
ein ieglich diep weiz vil wol,
wie er der diube louken sol. FRrEIDANK 47,3;
also daz der jude laugent der pfande. d. städtechr. 1,126,35.
wyl (will) her ym des lauken. schöffenspr. bei Tomascnex oberhoj
lglau s.256; eins fundes lokin. Magdeb, blume 1,152; löugnen
des das hinder einen gelegt ist, oder zü gehalten gäben
depositum abnegure MAALER 275°; laugnet er der borgschaft
landrecht von 1616 bei Scum. 1,1454 Fromm, der infinitiv sub-
stantivisch: so einer gift kaufet, des vor der obrigkeit in
laugnen stünd, und doch des kanfs uberwiesen würde. Carolina
art. 37.
c) mit einem accusativ: ist abir da gut, daz sy lokin weldin.
Mugdeb. blume 2,1, 46; denn es ist in gottes wort gegründet.
LÄUGNEN 342
jas gott nicht leuget, noch sein wort nicht leugnet. LuTHER
‚349°; wo jemand... gottes wort leugnet oder widerriefe.
192°; wer seine missethat leugnet, dem wird nicht gelingen.
pr. Sal. 28,13; das zeichen durch sie geschehen, ist kund,
»ffenbar allen, die zu Jerusalem wonen, und wir könnens
ıcht leugnen. ap. gesch. 4,15; (wenn einer) das verloren ist,
unden hat, und leugnet solchs mit einem falschen eid. 3 Mos.
5,3; also gryfet Luther harum was er finden möcht das jm
hulf; und bald hat er sin selbs vergessen und setzt das er
‚or gelöugnet, oder löugnet das er vor gesetzt hat. ZwIinGLı
n Wackernagels leseb. 3, 1,265; als der pedell disz alles laugnete.
5CHUPPIUS 704; du..fragst nur so im vorbeigehen: haben der
ıerr nicht etwa einen geldbeutel gefunden? sagt er ja, nun
;o hats der teufel gesehen; läugnet eus aber: ... du hast
leinen mann gefunden. ScHILLER rduber 2,3; G. sie werden
»ald auch ein allerliebstes weibchen haben. E. dasz ich nicht
vüszte. R. in wenig tagen läugnen sie es nicht mehr. GöTHE
4, 256; so haben sie völlig das recht, das grosze und über-
‚rosze, wenn es neben ihnen wirkt, so lange zu läugnen,
»s es historisch wird. 53, 108; wir erwiederten, es sei noch
ıchlimmer, mit genäschigen leuten aus einem korbe speisen.
las wollte er nicht läugnen. 26,323;
lasz deinen ausspruch mich vertraulich überführen,
ob ich die urtheilskraft in thieren
bejahen oder leugnen soll. HAGEDorNn 2, 15.
such mit einem accusativ der gerson, welcher sich auf deren
wesenheit bezieht: ich solt alle heilige väter .. sampt zumal
eugnen. LUTHER br. 1,309; das ist der widerchrist, der den
'ater und den son leugnet. wer den son leugnet der hat auch
lien vater nicht. 1 Joh. 2,22. 23; sich selbst läugnen, nicht zu
lem früher gesagten oder gethanen stehen: sich selbs löugnen,
jeiner worten nit geston, dicla mutare MAALER 275°; gleuben
vir nicht, so bleibet er trewe, er kan sich selbs nicht leugnen.
> Tim. 2,13, die neuere sprache braucht in diesem falle ver-
äugnen, s. d.
d) mit hinzutritt eines persönlichen dativs zum genitiv der sache:
zam der arm kaufmann, dem er seins gut het geleugnet.
STEINHÖWEL (1487) 31°;
‘ir jähet daz ir eine mit strite woldet mich bestän’ (spricht
; Dietrich).
ja enlougent iu des niemen, sprach Hagen der degen,
ich enwellez hie versuochen mit den starken slegen.
Nib. 2284, 1;
der, in der neuern sprache, zum accusativ: und möchte ihr
lieser ruhm wohl kaum zu läugnen sein. GÖöTHE 30,167;
wo habt ihr, blöde thoren, doch den sinn?
ihr seht den saft in alle zweige steigen,
und leugnet euch den sommer immerhin!
CHAaMIsso (1836) 4,4.
e) mit präpositionen; an etwas läugnen: vormengit (d. A.
'heils peinlich, theils bürgerlich) sint sotan sachin..lokin an
»im dinge, daz man eim czu behaldin tut. Magd, blume 1,152;
um etwas läugnen: umb swelcherlei sache ainer angesprochen
wirt, der sol umb die selben ansprach laugen oder jehen,
ind geschech hinnach daz recht sei. bair. landrecht bei Scum.
„1454 Fromm. ; für etwas läugnen: ich geschweig hie der
zschwinde keüff, finanz, vorteil, griff, trügerei in allen wahren,
lamit die juden..an uns hanthieren, wie sy die christen am
rechten umbtreiben für gegeben schuld, und nit selten für
lie gegeben pfand leügnen. Frank weltb. 156°.
f) mit abhängigem satze: wer ist ein lügner, on der da
leugnet,‘ das Jhesus der christ sei? 1 Joh. 2,22; er läugnet
lasz er es gethan habe; es ist nicht zu läugnen, dasz die
sache ihre groszen vortheile hat; leugnen läszt es sich in-
dessen nicht, dasz der polnische bauer oft mehr verstand
und gefühl hat, als der deutsche bauer in manchen ländern.
Y. HEINE 13,134;
wan si lougent bi dem eide,
daz si minen dienest habe genomen.
minnes. 2,68" Hagen;
des haubtmans sun fast laugen thet,
wie er seins vatters bücher het.
H. Sacsas 1,200 Gödeke,
mit nicht im abhängigen satze: dann wiewol von den ersten
zerzen der evangelischen fackel nicht kan gelaugnet werden,
lasz sie nicht, mit verachtung der kunst der menschlichen
wolredenheit, durch uberschattung desz h. geists, alsbald in
leurende zungen angezündt worden. ScHUPPIUS 724; wer wolte
läugnen, dasz nit hier in dieser unserer versamlung dergleichen
auch solten gefunden werden, die da über 4 elen oder cubit
AO