Full text: Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1882 - 1921

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Der chemische Unterricht an der Schule u. d. Hochschulunterricht für die Lehrer d. Chemie. 231 
schaften, speziell der Chemie, ein Semester vollauf genügen. Schon ein acht- 
wöchentlicher Urlaub innerhalb der Schulzeit und des akademischen Semesters 
ist ausreichend. Wo selbst dies nicht möglich ist, werden wissens- und bildungs- 
Jurstige Lehrer gern von Zeit zu Zeit ihre Ferien opfern, um sich an den Fort- 
bildungskursen zu beteiligen; wie solche an manchen Universitäten regel- 
mäßig abgehalten werden. Derartige Kurse in Chemie dürfen aber selbst- 
verständlich keine Repetitorien in der anorganischen, organischen oder gar 
analytischen Chemie sein. Im wesentlichen haben sie die neuesten Fortschritte 
zuf bestimmten Gebieten vorzuführen und zu demonstrieren. So sind für 
die neuesten Theorien in der physikalischen Chemie derartige Kurse mit 
großem Erfolg in Leipzig und an anderen Hochschulen abgehalten worden. 
Wenigstens die betreffenden Professoren äußern sich recht befriedigt über 
derartige Ferienkurse (Freiburg). Man kann aber auch noch weiter gehen 
and speziell die von uns für wichtig erklärten Experimentierübungen, bei 
denen ja auch immerzu Fortschritte gemacht werden, in Gestalt von prakti- 
schen Ferienübungen einrichten. 
Wir hatten in bezug hierauf in unseren Bogen die Frage aufgenommen: 
Finden am dortigen Institut Ferienkurse in Chemie statt und auf welchen 
Gebieten? Was halten Sie von denselben, bzw. auf welche Kapitel theoreti- 
scher und praktischer Art sollen sich diese erstrecken? 
Anscheinend haben wir uns hierbei nicht klar genug ausgedrückt. 
Viele haben wenigstens, wie dies begreiflich ist, gemeint, wir dächten dabei 
an Ferienkurse für Studierende. Alle, die dies angenommen, haben sich mit 
Nachdruck gegen solche Kurse ausgesprochen. Die Ferien seien, was wir 
lurchaus anerkennen, zur Erholung da und für die Dozenten und Assistenten 
der chemischen Laboratorien durchaus nötig. Die Studenten hätten im Se- 
mester genügend Zeit zur praktischen Betätigung, und soweit sie der Erholung 
nicht bedürfen, sollten sie Selbststudien treiben, um dasGelernte zu befestigen. 
Diejenigen Studenten, welche nach Ferienkursen verlangten, seien Bummler, 
die in den Semestern ihre Pflicht versäumt und dies nun in den Ferien nach- 
holen wollten, was nicht unterstützt werden dürfe. Dazu müßten die Labo- 
ratorien in den Ferien gründlich gereinigt und in denselben solche Reparaturen 
gemacht werden, die man während des täglichen Betriebs im Semester nicht 
ausführen könne. 
Nun, wir sind von diesen Herren gründlich mißverstanden worden. Wir 
naben gar nicht an die Ferienkurse für Studenten, sondern an die Fortbil- 
lungskurse für Lehrer gedacht. Wir wünschen auch, daß die Professoren 
und Abteilungsvorstände die Ferien zur Erholung und eventuell zum Studium 
benutzen. Aber Kurse für die in der Praxis stehenden Lehrer, in 
denen über die Fortschritte der Wissenschaft und Technik unter Vorführung 
der neuesten Experimente vorgetragen wird, halten wir, trotz der großen 
Umstände und Kosten, die sie verursachen, für sehr empfehlenswert. Sie sind 
zumal in Zeiten, wo neue Anschauungen in der Wissenschaft zur allgemeinen 
Geltung kommen, sehr erwünscht. Sie bilden außerdem einen guten Kontakt
	        
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