Full text: Zur theoretischen Philosophie (1. Abtheilung, 2. Band)

) Die Bestimmung des Menschen. 68 
Wie in dem gegenwärtigen Leben allein aus dem Gebote Wi 
einer bestimmten Handlung unser Begriff eines bestimmten a 
Zieles, und aus diesem die ganze Anschauung der uns gege- und 
benen Sinnenwelt entsteht, eben so wird im künftigen auf ein ö 
ähnliches, jetzt für uns völlig undenkbares Gebot der Begriff no 
eines nächsten Ziels für dieses Leben, und auf dieses die An- uns 
schauung einer Welt, in der uns die Folgen unseres guten el 
Willens im gegenwärtigen Leben vorausgegeben sind, sich 
gründen. Die gegenwärlige Welt ist überhaupt nur durch das 
Pflichtgebot für uns da; die andere wird uns gleichfalls nur u 
durch ein anderes Pflichtgebot entstehen: denn auf eine an- C 
dere Weise giebt es für kein vernünftiges Wesen eine Welt. nd 
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Dies sonach ist meine ganze erhabene Bestimmung, mein ; 
wahres Wesen. Ich bin Glied zweier Ordnungen; einer rein 
geistigen, in der ich durch den blossen reinen Willen herrsche, 
und einer sinnlichen, in der ich durch meine That wirke, 
Der ganze Endzweck der Vernunft ist reine Thätigkeit dersel- a 
ben, schlechthin durch sich selbst und ohne eines Werkzeuges EI 
ausser sich zu bedürfen, — Unabhängigkeit von allem, das nr 
nicht selbst Vernunft ist, absolute Unbedingtheit. Der Wille der 
ist das lebendige Princip der Vernunft,-ist selbst die Vernunft, xW 
wenn sie rein und unabhängig aufgefasst wird; die Vernunft 
ist durch’ sich selbst thätig, heisst: der reine Wille, bloss als 
solcher, wirkt und herrscht. Unmittelbar und lediglich in die- 
ser rein geistigen Ordnung lebt nur die unendliche Vernunft. 
Der Endliche, der nicht die Vernunftwelt selbst, sondern nur 
ein einzelnes unter mehreren Gliedern derselben ist, lebt noth- 
wendig zugleich in“einer sinnlichen Ordnung, das heisst, in 
einer solchen, die ihm noch ein anderes Ziel, ausser der rei: 
nen Vernunftthätigkeit, därstellt: einen materiellen Zweck, — 
zu befördern durch Werkzeuge und Kräfte, die zwar unter 
der unmittelbaren Botmässigkeit des Willens stehen, deren 
Wirksanikeit aber auch noch durch ihre eigenen Naturgesetze 
bedingt ist. Doch muss, so gewiss die Vernunft Vernunft ist, 
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