§ 5. Freie Parallelprojektion. Nr. 155.
207
d. h. wir nehmen die Spitzen S x und S 2 beliebig auf T x T 2 an. In Fig. 222
liegt eine Parallelprojektion davon vor. Entgegen dem bisher geübten
Brauch haben wir der Bequemlichkeit wegen darin dieselben Bezeich
nungen wie beim wirklichen, räumlichen Gebilde angebracht; eine Ver
wechslung ist ja nicht zu befürchten. Nun erhellt: Falls die Punkte A,
B, T x , T 2 die Parallelprojektionen der Ecken eines bestimmt im Raume
angenommenen Vierflachs sind, haben auch die beiden Grund Vielecke
und die beiden Pyramidenspitzen auf Grund der Zeichnung vollkommen
bestimmte Lagen auf zwei Vielflachebenen bzw. auf einer Vierflach
kante, d. h. das Gebilde, das aus den so auf das Vierflach bezogenen
beiden Pyramiden besteht, gestattet die freie Parallelprojektion. Dies
zieht nach sich, daß man in Fig. 222 die Durchdringung beider
Pyramiden zu zeichnen vermag, wie es jetzt geschehen soll.
Die Linie oder die Linien, in denen sich die Pyramidenmäntel durch
setzen, werden geschlossene und im allgemeinen nicht ebene Vielecke sein.
Ihre Kanten sind Strecken, in denen die Dreiecke der Pyramiden einander
schneiden, und ihre Ecken sind die Punkte, in denen die Kanten der ersten
oder zweiten Pyramide den Mantel der zweiten oder ersten Pyramide
schneiden. Da alle Kanten von S x oder S 2 ausgehen und alle Dreiecks
flächen den Punkt S x oder S 2 enthalten, verwendet man zur Bestimmung
der Durchstoßungspunkte zweckmäßig Hilfsebenen durch die beiden
Spitzen S x und S 2 , d. h. durch die Gerade T x T 2 . Jede Ebene durch T x T 2
schneidet die Grundebenen Ej und E 2 in Geraden, die sich auf AB
treffen. Eine derartige Ebene enthält eine Kante der ersten oder zweiten
Pyramide, falls ihre Schnittgerade mit E x oder E 2 durch einen Kanten
endpunkt geht. Die Fig. 223, die in größerem Maßstab gehalten ist und
worin die willkürlichen Umrandungen der Ebene E x und E 2 als über
flüssig fortgelassen sind, weist alle diejenigen Hilfsebenen durch T x T 2
auf, die Pyramidenkanten enthalten. Auch sind darin die Schnittgeraden
dieser Ebenen mit E x und E 2 ausgezogen sowie diejenigen Geraden ein
gestrichelt, in denen die Ebenen die Dreiecksflächen der Pyramiden
schneiden. Es leuchtet ein, wie sich daraus alle Punkte ergeben, in denen
die Kanten der ersten oder zweiten Pyramide den Mantel der zweiten
oder ersten Pyramide durchsetzen.
Diese Punkte bestimmt zu haben, genügt aber nicht; es
muß noch festgestellt werden, in welcher Reihenfolge diese
Eckpunkte der gesuchten Durchdringungslinie aufeinander
folgen. Es ist also noch zu erörtern, durch welches Verfahren man zu
der in Fig. 223 angegebenen richtigen Reihenfolge 1,2,3... 15, 1 ge
langt. Da die Hilfsebenen sämtlich durch T X T 2 gehen, gehören sie einem
sogenannten Ebenenbüschel mit der Achse T x T 2 an. Durchläuft
ein Punkt die noch zu ermittelnde Durchdringungslinie der Pyramiden
mäntel, so macht die durch ihn und durch T x T 2 gelegte Ebene Drehungen
um die Achse T x T 2 in dem einen oder anderen Sinne. Man nennt
deshalb die Hilfsebenen Pendelebenen. Es kommt darauf an, festzu
stellen, mit was für Ausschlägen nach der einen oder anderen Seite hin
das Pendeln um T x T 2 stattfindet. Dabei nehmen wir zur Vereinfachung
des Ausdruckes an, daß A vorn und B hinten auf AB sei; dies ist ge
stattet (Nr. 147) und auch schon in Fig. 222 geschehen. Diese Annahme
zieht nach sich, welche Ecken der Grundvielecke und also auch welche
Kanten der Pyramiden vorn und welche hinten liegen. Die vorderste