Full text: Krankheiten des chylopoetischen Systems (6. Band, 1. Abtheilung)

    
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Fettleber. 395 
Die Fettleber kömmt übrigens in jedem Alter, selbst im frühesten, be- 
sonders bei rhachitischen, scrophulösen und atrophischen Kindern vor, 
das Geschlecht scheint keinen wesentlichen Unterschied zu bedingen. 
SYMPTOME. 
$. 71. Die geringeren Grade der Fetileber geben weder zu objeec- 
tiven noch subjectiven Erscheinungen Anlass, werden daher niemals Ge- 
genstand der Behandlung. Aber auch die höheren Grade führen in der 
Regel zu keinen oder sehr geringen Beschwerden, so dass die Leber- 
krankheit der Beobachtung um so mehr entgeht, als die Aufmerksamkeit 
des Kranken und des Arztes meist vorzugsweise der gleichzeitigen ander- 
weiligen Krankheit zugewendet bleibt. Doch kommen auch Ausnahmsfälle 
vor und man findet manchmal Tubereulöse die von ihren Leberbeschwer- 
den so sehr in Anspruch genommen werden, dass sie die Symptome der 
wichtigeren Krankheit entweder gar nicht beachten oder als secundäre 
ansehen, ein Irrthum, der leider auch manchmal von Aerzien getheili 
wird. Die Beschwerden, zu denen die Fettleber manchmal Veranlassung 
gibt, bestehen gewöhnlich nur in einem Gefühle von Schwere oder Druck 
in der Lebergegend, besonders bei der Lage auf der linken Seite. Hefti- 
gerer Schmerz entsteht nur bei sehr rapidem Entstehen der Feitleber 
wahrscheinlich durch die rasche Ausdehnung der Peritonäalhülle und kann 
in solchen Fällen selbst eine bedeutende Intensität erreichen. Ieterus und 
Ascites werden durch die Feltleber allein nie bedingt. In manchen Fällen, 
aber keineswegs constant kömmt bei der auf excessiver allgemeiner‘Fettbil- 
dung beruhenden Form, reichlichere Secretion der Talgfollikel der Haut 
mit weicher öliger Beschaffenheit der letzteren vor; bei jener Form hin- 
gegen die chronische Krankheiten begleitet, hat die Haut häufig eine 
fahle, gelbliche Färbung, die aber mehr von den letzteren als von der 
Leberkrankheit abhängig ist. Störungen der Verdauung finden, wo sie 
vorhanden sind, gewöhnlich ihre Erklärung in anderen pathologischen 
Verhältnissen. Das Verhalten des Organismus im Allgemeinen ist ganz 
verschieden, je nachdem die Feitleber durch die erste oder durch die 
zweite der oben angegebenen Ursachen bedingt ist. Im ersten Falle fin- 
den sich zahlreiche und sehr verschiedenartige Störungen, die eben .der 
Grundkrankheit z. B. der Tuberkulose oder dem Krebse angehören, die 
Kranken sind meist in hohem Grade abgemagert — im zweiten Falle sind 
manchmal gar keine Beschwerden. vorhanden, manchmal solehe, die von 
der übermässigen Fetibildung im Allgemeinen besonders im Bauchraume 
abhängen (Störungen der Respiralion) oder die der Säuferdyscrasie ange- 
hören. Trotz des Mangels charakteristischer subjectiver und funetioneller 
Erscheinungen ist die Diagnose der Feitleber in der Mehrzahl der Fälle 
keinen besonderen Schwierigkeiten unterworfen, wobei natürlich nur von 
den höheren Graden die Rede ist. Bei Individuen deren Lebensart die 
Entstehung der Fettleber begünstigt, wo nebstdem eine grosse Menge 
Fettes im Unterhautzellgewebe angesammelt ist, beim Vorhandensein 
chronischer Krankheiten, besonders der Lungentuberculose wird man nur 
selten irren, wenn man da, wo die Palpation und Percussion ein be- 
trächtlich vergrössertes Volumen der Leber nachweisen, während weder 
Schmerz noch Ieterus, Aseites oder Milzvergrösserung vorhanden sind, 
auf fetlige Entartung der Leber schliesst. Wiewohl die Fettleber manchmal 
eine sehr bedeutende Grösse erreicht, so unterscheidet sie sich doch von 
allen anderen Leberanschwellungen, namentlich von der Colloidleber, mit 
welcher unter Umständen eine Verwechselung am leichtesten möglich 
wäre, ausser dem Mangel der eonseeutiven Symptome auch noch durch 
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