Full text: Krankheiten des chylopoetischen Systems (6. Band, 1. Abtheilung)

  
48 Bamberger, Krankheiten der Mund- und Rachenhöhle. 
Die heftigen entzündlichen und febrilen Erscheinungen, die nicht sel- 
ten vor dem Auftreten der Gangrän vorhanden waren, weichen mit dem 
Eintritie desselben gewöhnlich sehr schnell dem Charakter der Depression 
und des Collapsus. Die Gesichiszüge verfallen, der Puls wird frequent 
und klein, die Haut kühl, oder die Wärme an derselben ungleich ver- 
theilt, manchmal ist sie von partiellem Schweiss bedeckt, der Geruch ist 
schon auf einige Entfernung von dem Kranken unerträglich, manchmal tre- 
ten Schüttelfröste ein, es entwickeln sich erysipelatöse Entzündungen der 
äussern Haut, brandiger Decubitus oder Brand an andern Hautstellen, me- 
tasialische Entzündungen innerer Organe, nervöse Erscheinungen, Meteo- 
rismus,, unwillkürliche Entleerungen. 
$. 70. Die epidemisch auftretende Form der Gangrän: Stomacace, 
Fegar, wird von Eisenmann (die Krankheitsfamilie Typhus. Erlangen 
1835), Canstatt (Schmidt’s Eneyclopädie Bd. IV. u. Spec. Pathol. pag. 
278) u. A. folgendermaassen beschrieben: 
Die Krankheit beginnt mit geistiger und körperlicher Verstimmung, 
gastrischen Erscheinungen und Fieber, mit Brennen, Hitze, manchmal me- 
tallischem Geschmack im Munde. Darauf schwillt das Zahnfleisch und die 
Lippen, selten die Zunge und der weiche Gaumen an, die ergriffenen Theile 
zeigen eine dunkle livide Röthung, auf welcher bald weisse Flecken oder 
Bläschen erscheinen, die sich in zusammenfliessende Geschwüre verwan- 
deln und von einer weisslichen oder dunklen schmierigen oder pseudo- 
membranösen Masse bedeckt sind. Es ist Speichelfluss vorhanden, das 
Zahnfleisch blutet sehr leicht und der Athem verbreitet einen höchst wi- 
derlichen Geruch, die Halsdrüsen und die Parotiden sind geschwollen und 
schmerzhaft. Heilt die Krankheit, so begränzt sich die Zerstörung, die 
Geschwüre reinigen sich, die örtlichen und allgemeinen Störungen ver- 
schwinden manchmal unter kritischen Schweissen oder sedimentösem Harn, 
Gewöhnlich geht aber die Krankheit inSphacelus über, der sich bald über 
die Weichtheile und selbst auf die Knochen verbreitet, die cariös werden, 
die Zähne fallen aus, endlich tritt Fieber:mit adynamischem oder fauligem 
Charakter ein, und der Tod erfolgt unter den Symptomen des Collapsus 
oder unter Delirien. — Die Krankheit soll besonders bei Kindern, und in 
Küstenländern in epidemischer Verbreitung vorkommen, manchmal auch 
durch Uebertragung des Contagiums von maul- und klauenseuchen Thie- 
ren auf den Menschen entstehen und häufig nur eine Seite derMundhöhle 
einnehmen. 
Dem Wesen nach bietet somit diese Krankheitsform durchaus nichts 
Specifisches, und ist je nach dem anatomischen Charakter als ceroupöse, 
diphtheritische oder scorbutische zu betrachten. In derselben Weise , wie 
diess bei den genannten Formen beschrieben wurde, entwickelt sich auch 
hier der gangränöse Charakter, wenn es überhaupt dazu kömmt, erst nach 
vorausgegangenen entzündlichen Erscheinungen, es kann somit die Affec- 
tion nicht als eine ursprünglich gangränöse bezeichnet werden. Hiemit fällt 
auch jeder Grund, den Fegar als eine besondere Krankheitsspecies zu be- 
trachten, hinweg. 
AUSGÄNGE UND PROGNOSE. 
$. 71. Unter günstigen Umständen ist der Brand der Mundhöhle 
der Heilung fähig. Soll diess geschehen, so begrenzt sich die Zerstörung, 
in der Umgebung entwickelt sich eine demarkirende Entzündung mit plasti- 
schem oder gutartig eitrigem Exsudate, die necrotischen Schleimhauistücke 
werden meist in grösseren zusammenhängenden Stücken als schwärzliche, 
  
  
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