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15. Dez. bei Colenfo. Infolge des tollfühnen Vor-
gehens von 2 Batterien fielen 9 Geſchütze, 21 Offi-
ziere und 311 Mann in die Hände der Buren; außer-
dem wurden gegen 800 Mann getötet und verwundet.
Obwohl dieſe schweren Niederlagen der Engländer die
Unfähigkeit ihrer Generale deutlich zeigten, während
die Mannſchaften Tapferkeit bewieſen, benußten die
Buren die Verwirrung im feindlichen Lager nah dem
Kampf bei Eolenfo doch niht, um kühn na<h Süden
vorzuſtoßen und dadurch einen allgemeinen Aufſtand
der holländiſchen Einwohner hervorzurufen.
Jn England erregten zwar die Kriegsunfälle Un-
zufriedenheit, doh keine Entmutigung. Die energiſche
Fortſezung des Krieges wurde beſchloſſen. Neue Divi-
ſionen wurden mobil gemacht, um nah Südafrika ge-
chi>t zu werden, die von Kanada und Auſtralien an-
gebotenen Hilfstruppen angenommen, und 20. Dez.
wurde Feldmarſchall Lord Roberts, der ſih dur<h
den Afghanenkrieg und den Sieg bei Kandahar berühmt
gemacht hatte, zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte
in Südafrika und Lord Kitchener, der Sirdar der
ägyptiſchen Armee, zu ſeinem Generalſtabschef er-
nannt. Ehe beide Generale in Südafrika eintrafen, trat
ein Stillſtand in den Operationen, namentlich im Weſten
und im Zentrum, ein. Nurin Natal unternahm Buller,
deſſen Streitmacht dur<h Verſtärkungen auf 30,000
Mann und 48 Geſchüße gebracht worden war, im
Januar 1900 einen neuen Verſuch, Ladyſmith zu ent-
ſegen. Es gelang ihm, den Tugela zu überſchreiten,
doch erlitt er 24. Jan. am Spiongfop eine fchwere
Niederlage und verlor insgefamt 2300 Mann an Toten
und Verwundeten. Aber da die Buren wiederum nichts
thaten, um ihren Sieg auszunußen, und die Eng-
länder ruhig über den Tugela ſich zurückziehen ließen,
konnten ſich dieſe für neue Unternehmungen vorbe-
reiten; ein neuer Verſuch ward allerdings 9. Febr. am
Val Kranz abgewieſen. Jnzwiſchen waren Roberts und
Kitchener 10. Jan. in Kapſtadt eingetroffen und die
britiſchen Streitkräfte in Südafrika durch Aufgebot der
Miliz und Yeomanry auf 150,000 Mann vermehrt
worden. Jm Februar begann Roberts den ſorgfältig
vorbereiteten Vormarſch zunächſt zum Entſatz Kimber-
leys. Ende Februar griff er die Buren im Südoſten
des Oranje-Freiſtaats am Modderfluß an. Er umging
ihre Stellungen am Modderfluß durch geſchi>te Bewe-
gungen ſeiner Reiterei unter General French u. nahm
27. Febr. das Korps des Burenkommandanten Cronje
(4300 Mann) bei Paardeberg gefangen. Dieſer
Verluſt hatte den Entſaß von Kimberley und Lady-
ſmith zur Folge, da die Buren ihre Truppen nach der
Grenze von Natal zurüc{zogen. Bereits 13. März zog
Roberts in Bloemfontein, der Hauptſtadt des Oranje-
Freiſtaats, ein, worauf der Freiſtaat für eine engliſche
Kolonie (Orange River Colony) ertlärt wurde. Die
beiden Republiken wandten ſich an die britiſche Regie-
rung mit Friedensanerbietungen, wurden aber jchroff
abgewieſen; ihre Bitte um Vermittelung bei den an-
dern Mächten mußte abgelehnt werden, da England
jede Vermittelung für ausgeſchloſſen erklärte. Doch
ſandten die Republiken eine Friedensdeputation nah
Europa, dann nah Amerika. Den Kampf festen ſie
energiſch fort; nah dem Tode Jouberts trat Louis
Botha an die Spitze ihrer Streitkräfte, die allerdings
dur die Kriegsmüdigkeit vieler Buren, namentlich
aus dem Freiſtaat, zufanımenfchmolzen. Immerhin
verzögerten fie durch gefchickte Angriffe auf die rechte
Flanke der Engländer und Wegnahme von Kolonnen
dexen Vormarſch nach Norden um mehrere Wochen. Erſt
Sudan — Südbahn.
| im Mai drang Roberts von Bloemfontein vor und be-
| ſete 12. Mai Kroonſtad, 18. Mai wurde Mafeking ent-
ſebt. Als 31. Mai auh Johannesburg u. 5. Juni ſogar
die Hauptſtadt Pretoria von den Engländern ohne Wi-
deritand bejett wurden, erlahmte der Kampfeseifer der
meiſten Buren. Krüger u. Steijn beharrten aber auf der
Bortjegung des Serieges und zogen fich nach dem Nor-
den, dem Dijtrift von Lydenburg, zurüd. Die Kom-
mandanten Botha und de Wet brachten den Englän-
dern im kleinen Krieg noh manche Verluſte bei. Selbſt
im Oſten des Oranje-Freiſtaats behaupteten ſi< Bu-
renſcharen und bedrohten dort die Verbindungen der
Engländer. Obwohl die Friedensdeputation weder in
Europa noch in Amerika einen Erfolg erzielte, erklär-
ten ſowohl Krüger als Steijn, den Kampf bis zun
äußerſten fortſeßen zu wollen. Bis zum 7. Juli 1900
verlor die engliſche Armee in den mehr als 30 Treffen
und Gefechten des Krieges mit Ausfchluß der befreiten
Gefangenen (180 Offiziere und 4000 Mann) ſowie der
noch in den Lazaretten liegenden Soldaten an Toten
522 Offiziere und 9513 Mann, an heimgeſchi>ten
SInvaliden 916 Offiziere und 19,742 Mann.
Vgl. A. v. Müller, Der Krieg in Südafrika 1899
bis 1900 und ſeine Vorgeſchichte (Berl. 1900, bisher
4 Tle.); v. Kunowſki und Frebdorff, Der Krieg
in Südafrika (Leipz. 1900); Faller, Der Krieg in
Südafrika 1899— 1900 (Hannov. 1900); v. Eſtorff,
Der Burenkrieg in Südafrika (Berl. 1900); Tiede-
mann, Der Krieg in Transvaal (daſ. 1900); Schei-
bert, Der Freiheitskampf der Buren (daſ. 1900).
Sudäân. Nachdem das Land im Januar 1899 durch
einen Vertrag zwiſchen der engliſchen und der ägyp-
tiſchen Regierung unter engliſche Schußherrſchaft ge-
ſtellt worden war, wurde die Weſtgrenze nah Abwehr
des franzöſiſhen Vorſtoßes unter Major Marchand
bei Faſchoda dur Verſtändigung mit Frankreich feſt-
geſtellt. Als im Herbſt 1899 der Chalif Abdullahi
(j. d.) no< einmal ſeine Anhänger ſammelte und auf
Chartum vordrang, wurde er 24. Nov. von der eng-
liſh-ägyptiſhen Armee unter Oberſt Wingate bei Om
Debritat gänzlich gefchlagen und mit feinen Emiren
und feiner ganzen Leibwache getötet. Auch Osman
Digna wurde nicht lange darauf gefangen genommen
und damit der ©. gänzlich unterworfen. Nach Ab-
berufung des Lords Stitchener nach dem Kapland
wurde der neue Sirdar Wingate Generalgouverneur
des ©. — Neuere Titteratur: »Sudan Campaign,
1896 — 1899, by an ofücer« (Xond. 1899); W. ©.
Churchill, The River war, an historical account
of the reconquest of the Soudan (daſ. 1899); Neu-
Ihäfer, Die Eroberung des ©. durch die Engländer
(Berl. 1900); Neufeld, In Ketten des Chalifen. 12
Jahre Gefangenſchaft in Omdurman (Berl. 1899);
Cuzzi, 15 Jahre Gefangener des falſchen Propheten
(deutſch, Leipz. 1900).
Südbahn, Oſterreichiſche, genaue Firma: K.
K. priv. Südbahngeſellſhaft in Wien, Vrivat-
eiſenbahn unter eigner Verwaltung. Die Geſchichte
dieſes Unternehmens, das zu den größten Eiſenbahn-
geſellſchaften Öſterreih-Ungarns gehört, iſt eine höchſt
wechſelvolle und verwi>elte; die erſten Anfänge reichen
in das Jahr 1856 zurü>, in dem die öſterreichiſche
Regierung mit einem Bankierkonſortium ein über-
einkommen, betreffend den Verkauf der Lombardiſch-
Venetianiſchen Eiſenbahnen, abſhloß, woraus die Ver-
einigte Südöſterreichiſh - Lombardiſhe und Zentral-
Jtalieniſche Eiſenbahngeſellſhaft hervorging (daher
auch häufig Lombardiſche Bahn genannt, während die
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