Full text: Ergebnisse und Probleme der Naturwissenschaften

382 III. Materie und Leben 
das eine Wort: Eis aus. Der Dualismus von Körperlichem und See- 
lischem muß nach dieser Auffassung notwendig ein Scheinproblem 
sein, er ist nach Mach „künstlich und ohne Not herbeigeführt‘. Die 
„gänzliche Fremdartigkeit der oben bezeichneten Situation“ (s. S. 374) 
ist nach Mach „eine Illusion“ 283), 
Zur Kritik dieser Philosophie ist kurz folgendes zu sagen (aus- 
führlichere Begründungen bei Hönigswald, Külpe, Messer u. a. ”4), 
Zunächst bildet ein Hauptbedenken gegen die fraglichen Lehren die 
unmögliche Doppelrolle, die das „Ich‘“ darin spielt, einerseits als „„Ele- 
mentenkomplex von relativer Stabilität‘ andererseits als Subjekt des 
wissenschaftlichen Erkennens, auch der positivistischen und 
anderer Philosophien. Wie ein Komplex von Elementen der un- 
geheuerlichen Täuschung des psycho-physischen Problems nicht nur, 
sondern einer „Täuschung‘‘ überhaupt verfallen, und wie derselbige 
Elementenkomplex dann sich berichtigen und — in Machs Philosophie — 
sich wieder in den Urbrei der Elemente selbst zurückstoßen kann, das 
scheint mir die Leistung des materialistischen Münchhausen noch um 
das Doppelte zu übertreffen. 
Mit dieser, die ganze Gedankenführung Machs durchziehenden Gegen- 
überstellung der Wahrheit und Täuschung, die nach den Prinzipien 
des Systems selbst unmöglich sein sollte, hängt die schon früher (S. 29f.) 
angeführte Gegenüberstellung des „„Tatsächlichen und Hypothetischen‘‘ 
eng zusammen. Beides ist auf dem Boden des Positivismus selber ganz 
unmöglich. „Die Richtigkeit der Theorie setzt, wie Husserl in einem 
ganz analogen Fall sagt?5), die Unvernünftigkeit ihrer Prämissen, 
die Richtigkeit der Prämissen die Unvernünftigkeit der Theorie voraus.“ 
Auf die Unklarheit in den Aussagen der Positivisten, ob eigentlich 
die ‚Elemente‘ oder die „Beziehungen‘‘ das Reale sind?®8), soll hier 
kein großer Wert gelegt werden. 
Sehr. bedenklich dagegen scheint mir ferner die zweifache Rolle zu 
sein, welche die Zeit in diesem philosophischen System spielt. Das 
„Ding“, auch das „Ich‘, sind „Gedankensymbole für Empfindungs- 
komplexe von relativer Stabilität‘“. Stabilität heißt soviel wie zeitliche 
Konstanz: 7 
au LM...) =0, 
Nun sind aber Raum und Zeit nach Mach ja selber Elemente. Diese 
Gleichungen TE = 0 unterscheiden sich also in keiner Weise von anderen 
Funktionsgleichungen zwischen den Elementen. Wie kommt es, daß 
nun gerade die Gleichungen N = 0 den Anlaß zu der bewußten „Hy- 
postasierung der Dinge an sich‘“ bieten ? 
5
	        
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