Contents: Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung

      
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
     
   
  
  
  
  
  
  
  
  
     
     
   
  
  
Viertes Kapitel. 
Daß man aber im Kreiſe der Inquiſition ſelbſt um dieſe 
Zeit über die Zugehörigkeit der Zauberei zur Ketzerei willkürlicher 
als Oldradus da Ponte dachte, dafür liegt ein vorzügliches 
Zeugnis vor in einem Traktat »Super materia haereticorum « 
des Zanchinus Ugolini aus der nämlichen Zeit. Der Ver- 
faſſer!) war von 1302—1340 für die Inquifition thätig und 
gehörte zur Umgebung des in der Romagna wirkenden, dem 
Minoritenorden angehörigen Jnquiſitors Donatus von S. Agata ?); 
er ſchrieb ſein Werk, das noch im 16. und 17. Jahrhundert 
fommentiert und mehrfach als Tractatus aureus von der Sn= 
quifition herausgegeben wurde ?), um dieſem Inquifitor behilflich 
zu ſein und eine Art von Handbuch für die Praxis zu bieten. 
Zanchinus bringt allerlei Definitionen und Etymologien der 
Häreſie vor; er erklärt, daß im allgemeinen für einen Häre- 
tiker derjenige gelte, der nicht das anerkennt, was die römiſche Kirche 
anführt) befindet ſih fol. 79 und lautet: »Adorare daemonem, baptizare 
imagines et talia sunt valde gravia peccata et modernis temporibus 
multum ineipiunt pullulare. Valde rationabiliter posset ecclesia 
statuere, quod talia facientes, etsi non haberent errorem fidei in 
intellectu, si facerent hoc precise propter aliquod pactum cum de- 
mone habitum, velut heretici punirentur, et forsitan expediret, ut 
propter gravitatem pene homines a talibus arcerentur. Utrum autem 
hoc sit iam statutum per aliqua iura, plenius noverint iuriste.« 
D Er nennt fich ſelbſt: Ego Zanchinus Ugolini Senae de porta 
s. Petri de Arimino minimus advocatus; vgl. Quétif-Echard II, 202. 
— Der Verf. und ſein Werk fehlt bei Schulte; näheres *©. 59. 
2) Vgl. für ihn Sharalea, Suppl. ad Waddingi Scriptores ord. 
Minor. nr. 1545 (zu Wadding ©. 104, 531, 534). 
9) Es iſt gedrudt 1. Mantua 1567, 2. Rom 1579, 3. Venedig 1584 
(in den Tractatus illustrium iuris consultorum XI, 2, fol. 254 ff.); 
4. Rom 1668. Die dritte Ausgabe enthält zugleich den eingehenden 
Kommentar des Jnquiſitors zu Ferrara, Camillo Campeggi 0. Praed.; 
zugleih aber im Tert auch jchon allerlei Zujäße von Simancas und 
Pegna. Lea, der das Werk I, 229, III, 449 u. ö. benugt, hat es nah 
einer in der Pariſer Nationalbibliothek cod. lat. 3373 (12532) vorliegen- 
den Handſchrift aus c. 1400 kennen gelernt; dieſe Handſchrift enthält im 
Vorwort den Namen des Verf. »Zancinus Ugolini Seng de porta 
Sci. Petri de Arimino minimus advocatus« (vgl. unten S. 270, Anm. 1). 
Der Abſchnitt »De divinatoribus et incantatoribus« ift abgedrudt *6.59 ff. 
  
	        
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