4. Kap. Gut und schlecht. Teleologische und formalistis<e Auffassung. 205
hem andern machen und ihn töten dürfte, falls er sein Leben für ein
sie Unglü> für die Gesamtheit hielte, dann wäre die Rehtsordnung
iber- überhaupt aufgelöst und der Krieg aller gegen alle zurüdgeführt.
dige Es giebt ja wohl keinen Menschen, wenigstens nicht in öffentlicher
rieb, Stellung und Wirksamkeit, von dem nicht irgend jemand überzeugt ist,
tung daß seine Wirksamkeit unheilvoll ist, und daß also sein Tod ein Glü>
atur für die Menschheit wäre. Das Todesurteil über den Mörder Kozebues
echt. war daher durchaus gerecht und notwendig. =- Die JInquisitoren spürten
tahl Keber auf und brachten sie zu Tode. Es ist denkbar und wahr-
ührt scheinlich, daß unter ihnen wenigstens einer und der andere es mit
Und s<werem Herzen that : nicht aus Freude an dem Leiden eines Menschen,
e er das vielmehr ihm selber Leiden verursachte, sondern in dem Habitus
den ganz reiner Pflichterfüllung, in der festen Überzeugung, daß es besser
) ist sei, daß er sterbe, als daß das ganze Volk, von ihm verführt werde und
urch verderbe. Subjektiv betrachtet ist sein Handeln untadelig, nicht minder
des als das des Richters, der dem armen Sand das Todezurteil sprach.
1des Der einzige Unterschied liegt in der materialen Verschiedenheit : wir
nde sind nicht mehr überzeugt, daß es zum Heil eines Volkes dient, wenn
ruß abweichende Ansichten in religiösen Dingen verfolgt und mit dem
leid Tode bestraft werden.
gut. Die Unfähigkeit, diese beiden Betrachtungsweisen auseinander zu
ber- halten, stiftet viel Verwirrung an. Wer die That mißbilligt, meint
er nun auch ein s<lec<htes Motiv voraussezen zu müssen, um das BVer-
ichst werfungsurteil über den Charakter zu rechtfertigen, bei den Inquisi-
ver: toren Herrschsuht und Grausamkeit, bei Sand Eitelkeit und Groß-
mannssucht. Umgekehrt, wer den Charakter anerkennt und versteht,
Öird meint dann auch die That billigen zu müssen und benennt sie mit
ien, unschuldigen oder lobenden Namen. Die moralisierxende Parteiberedsam-
viel keit der Historiker hat hier ihr eigentliches Feld; zu den Handlungen
em werden die Namen und Motive so gewählt, daß der Leser Zuneigung
' Die und Hochachtung oder Entrüstung und Abscheu empfindet. Um das
auf Verstehen ist es ja den Historikern in der Regel überhaupt nicht zu
die thun, sie wollen auf Gemüt und Willen wirken. =
ien. Wir kehren nun zu unserer Frage zurü&f. Daß das objefktiv-
aße materiale Urteil teleologis< begründet wird, liegt auf der Hand :
des der Wertunterschied der Verhaltungs- und Handlungs weisen beruht