Object: Väter und Söhne

Borwort,. 
Hat es heute, wo wir in Deutſchland eine ſo gewaltige Umwälzung nicht 
nur der ſtaatlichen, ſondern auch der wirtſchaftlichen Dinge und des Schrift- 
tums erlebt haben, no< Sinn, die Geſchichte eines Verlagsunternehmens 
durch zwei Jahrhunderte hindurch zu ſchreiben, wird ſie ihre Leſer finden? 
Jett, da Viele am liebſten mit dem Jahre 1933 eine neue Zeitre<nung be- 
beginnen möchten? Mag Mancher dieſe Frage verneinen. Der Verfaſſer 
meint, daß eine ſolche Arbeit ſhon aus einem Geſichtspunkt heraus heute 
beſonders zeitgemäß ift, nämlich dem, den Vielen, die heute die Aufgabe und 
den Wert des Unternehmertums nicht zu würdigen wiſſen, vom totalen Staat 
auch in wirtſchaftlicher Beziehung Alles erwarten, ein Beiſpiel dur< ¿wei 
Jahrhunderte zäh betriebener Unternehmerarbeit vorzuführen. Dazu eignet 
ſich eine Verlagsgeſchichte ganz beſonders aus zwei Gründen. Einmal wird 
es faum einen anderen Beruf geben, in welchem die Tätigkeit der Unter- 
nehmer durch Generationen hindurch ſo verfolgt werden kann, wie das im 
Buch-Verlag an der Hand der Kataloge Jahr für Jahr möglich iſt. Sodann 
iſt der Verlag ein Beruf, an dem meines Erachtens handgreiflicher als an 
irgend einem anderen ſelbſt dem begeiſtertſten Sozialiſten ein Verſtändnis 
für die Leiſtung des Unternehmers aufgehen muß. Jrrt der Verleger ſich 4. B. 
in der Schäßung eines Manuffripts, bei der Übernahme einer neuen Zeit: 
{rift uſw., ſo iſt die Arbeit ſeiner Angeſtellten, der Seger uſw. verloren, das 
Papier iſt Makulatur. So einfach liegen die Dinge nicht in allen Fällen, aber 
in ſeinen Grundzügen iſ dieſer Saß unanfechtbar, und der Verfaſſer kann 
fagen, daß er nach mehr als  ojähriger Berufstätigkeit noch bei der Arbeit 
an dieſer Geſchichte gelernt hat. Belege für die Richtigkeit jenes Sates liefert 
die Geſchichte zahlloſer Buchhandlungen: Glänzender Aufſtieg eines beſonders 
tüchtigen Buchhändlers, ſicherer langſamer oder ſchneller Abſtieg, wenn die 
Nachfolger, vielleicht vom Begründer verzogene Söhne, nicht in ſeine Fuß- 
ſtapfen treten und nicht weiter arbeiten mit Verſtändnis für ihre Zeit. 
 
	        
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